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Das ehemalige Wiedemann-Areal: Auf dem Grundstück im Münsinger Ortsteil Ambach ist der Bau einer Seniorenwohnanlage geplant. Die Planungshoheit hat die Gemeinde, betont Bürgermeister Michael Grasl.

Wiedemann-Areal

Rathauschef mahnt zur Sachlichkeit

Ammerland – Teils emotional wurde kürzlich in der Jahresversammlung des Ostuferschutzverbands (OSV) über den geplanten Neubau einer Seniorenwohnanlage auf dem ehemaligen Wiedemann-Areal in Ambach diskutiert. Münsings Bürgermeister Michael Grasl war in den Gasthof Gerer in Ammerland gekommen, um die Sicht der Gemeinde deutlich zu machen. Der Rathauschef betonte mehrmals, dass die Gemeinde die Planungshoheit besitze und davon Gebrauch machen werde.

Teils emotional wurde kürzlich in der Jahresversammlung des Ostuferschutzverbands (OSV) über den geplanten Neubau einer Seniorenwohnanlage auf dem ehemaligen Wiedemann-Areal in Ambach diskutiert. Münsings Bürgermeister Michael Grasl war in den Gasthof Gerer in Ammerland gekommen, um die Sicht der Gemeinde deutlich zu machen. Der Rathauschef betonte mehrmals, dass die Gemeinde die Planungshoheit besitze und davon Gebrauch machen werde.

Grasl bezeichnete es als unglücklich, dass Skizzen von Hotelkomplexen „wie auf Mallorca“ in Umlauf geraten seien. Sebastian Wiedemann, Sprecher der „Initiative Ambach“, verbreitet auf der Homepage der Bürgerinitiative solche Bilder. Sie entstanden nach Grundstücksverhandlungen zwischen der Familie Wiedemann, die noch ein Haus auf dem Gelände bewohnt, und dem Investor „Kuratorium Wohnen im Alter“ (KWA). Dieses hatte zunächst rund 90 Wohnungen samt Aufenthalts- und Essensräumen, Tiefgarage und Schwimmbad auf dem Grundstück geplant. Auf den Protest aus der Ambacher Bevölkerung hin überdenke das KWA diese Pläne nun, teilte der Bürgermeister mit: „Das Unternehmen will ohne Zeitdruck eine verträglichere Lösung finden.“ Gleichzeitig lasse die Gemeinde durch einen Juristen prüfen, ob auf dem Gelände überhaupt Baurecht bestehe.

Dies bezweifelt insbesondere Dr. Gustav Neumeister vom OSV. Er verwies in der Jahresversammlung auch auf den Rahmenplan der Gemeinde. Den Villenbesitzern, die vielleicht gerne auf ihren Grundstücken erweitern würden, werde dies verwehrt, um eine Verdichtung am Ostufer zu verhindern. Neumeister: „Der normale Bürger unterwirft sich den Beschränkungen des Rahmenplans, der Investor aber nicht.“ Er frage sich, warum auf dem ehemaligen Klinikgelände ein Seniorenwohnstift entstehen muss. Die Gemeinde lasse ein Wohngebiet für rund 150 Menschen inmitten Ambachs mit seinen 350 Bewohnern zu – ohne davon einen wirklichen Nutzen zu haben. Sollten Juristen und Fachbehörden zu dem Schluss kommen, dass das Grundstück im Außenbereich unverbaubares Grünland sei, soll die Gemeinde es nach Meinung Neumeisters zu einem Bruchteil der von KWA gezahlten 6,5 Millionen Euro zurückkaufen und nach dem Abriss der alten Gebäude renaturieren. Grasl entgegnete, er sehe dafür kaum rechtliche Möglichkeiten.

Die OSV-Vorsitzende und Gemeinderätin Ursula Scriba fragte die etwa 60 Versammlungsbesucher, was die Ambacher unter ihnen sich für ihr Dorf wünschten. Sebastian Wiedemann, junger Familienvater aus Ambach, sagte, ihm würde ein Generationen übergreifendes Wohngebiet ähnlich dem Modell am Pallaufhof gefallen. Mechthild Felsch aus Münsing, Seniorenbeirätin des Landkreises, meinte, sie halte eine Seniorenwohnanlage in Ambach für überflüssig. In Wolfratshausen würden demnächst genügend Betreuungs- und Pflegeplätze für den Nordlandkreis entstehen. Die Ambacherin Petra Schulze äußerte die Sorge, die örtlichen Friedhöfe könnten für die im Seniorenwohnstift sterbenden Menschen nicht ausreichen. Sie befürchtet zudem, dass das Wasser im Ort knapp werden könnte, wie es in manchen heißen Sommern schon vorgekommen sei. „Die gut situierten Herrschaften da oben werden sicher zweimal täglich gebadet“, mutmaßte Schulze.

OSV-Vorstandsmitglied Johannes Umbreit gab zu bedenken, dass das KWA als gemeinnützige Aktiengesellschaft mutmaßlich keine Gewerbesteuer in Münsing zahlen werde. Umbreit sieht für die Gemeinde keinen Vorteil in der Anlage. Es würden voraussichtlich weder heimische Handwerker beim Bau zum Zug kommen noch Personal aus dem Ort beschäftigt.

Neumeister appellierte zum Schluss an die Gemeinde, nicht vorschnell einen Bebauungsplan aufzustellen. „Bitte prüfen Sie in aller Ruhe, ob man dort wirklich bauen will. Und beraten Sie bitte ab jetzt alles in öffentlicher Sitzung. Das wäre eine große, vertrauensbildende Maßnahme gegenüber uns Bürgern“, gab er Rathauschef Grasl mit auf den Weg.

tal

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