Tierische Unberechenbarkeit

Freispruch für zwei Reiterinnen

Das Amtsgericht Wolfratshausen hat zwei Reiterinnen freigesprochen, deren Pferde durchgegangen waren und deshalb einen Unfall verursacht hatten. 

Münsing/Höhenrain – Der Richter konnte nicht erkennen, dass sie ihre Sorgfaltspflicht verletzt hatten. Der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung – ein Mopedfahrer stürzte in die Wiese und brach sich das Schlüsselbein – wurde fallengelassen.

Der Unfall, um den es ging, ereignete sich am 2. September vergangenen Jahres auf der Landstraße zwischen Dorfen und Höhenrain. Am frühen Abend waren die Frauen, eine Geretsriederin (25) und eine Neuriederin (20), zu einem Ausritt aufgebrochen. Um in den Forstweg zu gelangen, auf dem sie reiten wollten, mussten sie ein kurzes Stück auf der Starnberger Straße gehen. Beide ritten hintereinander, als das hintere Pferd der Geretsriederin plötzlich durchging und das vorne gehende Ross der Neuriederin mitriss. „Es ist wie in Panik losgerannt, völlig unkontrollierbar“, erklärte die Geretsriederin. Ihr Pferd war an einem Holzstapel kurz unruhig geworden.

„Ich frage mich ständig, ob ich etwas falsch gemacht habe“, sagte die Geretsriederin, die das Geschehen sichtlich mitnahm. „Ich musste blitzschnell entscheiden und blieb sitzen, weil ich beim Absteigen das Pferd noch schlechter hätte kontrollieren können.“

Die Staatsanwältin sah darin ein Fehlverhalten. „Sie hätte in dem Moment absteigen müssen, um zu vermeiden, dass das Pferd davonläuft“, erklärte die Anklagevertreterin. Sie beantragte, die junge Frau zu 400 Euro Geldstrafe (20 Tagessätze) zu verurteilen und die Neuriederin freizusprechen. Ihr sei kein Vorwurf zu machen.

Richter Urs Wäckerlin sprach beide Angeklagten frei. „Wenn ein Autofahrer wegen eines Fahrfehlers einen Unfall verursacht, ist der Fall klar“, sagte der Richter. Bei durchgehenden Pferden liege die Sache anders. Es gehe darum, ob die Möglichkeit bestanden habe, den Unfall zu verhindern. Das konnte er nicht erkennen. Der Richter wies auf die „die Unberechenbarkeit der tierischen Natur“ hin. „Ich sehe kein sorgfaltswidriges Verhalten.“

Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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