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Lockere Atmosphäre, harte Themen (v. li.): Hans Urban, Katharina Schulze und Georg Buchwieser (alle Grüne) sowie Wasserwachts-Vorsitzender Ingo Roeske sprechen an der Rettungsstation „Schwaiblbach“ über die Probleme der Ehrenamtlichen. 

Zu Besuch an der Rettungsstation Schwaiblbach

Schwimmen als Zeugnisnote? Grünen-Kandidatin Schulze fordert besseren Unterricht

Grünen-Kandidatin Katharina Schulze besuchte die Wolfratshauser Wasserwacht in Ambach. Sie sprach über die harte Arbeit hinter dem Idyll und die Notwendigkeit von Schwimmunterricht. 

Wolfratshausen/Münsing – Während Heimatminister Albert Füracker (CSU) am Montag in München einen Empfang für die ehrenamtlich Aktiven bei der bayerischen Wasserwacht gab, besuchte Katharina Schulze (Grüne) fast zur gleichen Zeit die Wasserwacht-Ortsgruppe Wolfratshausen an deren Rettungsstation „Schwaiblbach“ im Erholungsgelände Ambach am Starnberger See. Mit dem Elektroauto legte die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und Spitzenkandidatin zur Landtagswahl dort einen Zwischenstopp auf ihrer Wahlkampftournee ein. Begleitet wurde sie von Stimmkreis-Kandidat Hans Urban aus Eurasburg.

„Ah, ist das herrlich hier. Ich bin so gerne am See als Ammersee-Kind“, schwärmte die in Herrsching aufgewachsene 33-Jährige, zog sich die Schuhe aus und ließ sich mit einer Limonade in einem der bereitgestellten Liegestühle nieder. Ihr Blick wanderte abwechselnd zu dem ruhigen, grünen Wasser zu ihrer Linken, mit der Bergkulisse im Hintergrund, und zu der im Mai 2017 eingeweihten nagelneuen Wachhütte zu ihrer Rechten. „Wir wissen, wie schön wir es hier haben“, meinte der Wasserwachts-Vorsitzende Ingo Roeske.

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Doch Schulze ist klar, dass sich hinter dem äußeren Idyll harte Arbeit verbirgt. „Ihr seid Leute, die anpacken, Menschen, die Bayern besser machen“, lobte sie Roeske und Rettungsschwimmer-Ausbilder Peter Knoblich stellvertretend für 130.000 Wasserwachts-Mitglieder in Bayern, 80 davon beim Ortsverband Wolfratshausen. Die Einsätze seien sicher oft „krass belastend“, sagte die Politikerin in ihrer lockeren Jugendsprache. Sie lese immer wieder von tödlichen Tauchunfällen an der Seeburg, für die ebenfalls die Wolfratshauser zuständig sind.

Die Landtagsabgeordnete, deren Partei aktuellen Umfragen zufolge auf Platz zwei hinter der CSU rangiert, kam gleich zur Sache: „Wie können wir euch unterstützen? Wo zwickt die Flosse?“ Roeske, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender im Wasserwacht-Landesvorstand, fiel da direkt einiges ein. Er erzählte der erstaunten Grünen, dass er 13 Jahre lang für die neue Station in Ambach gekämpft habe. Als die Finanzierung durch den Erholungsflächenverein München sowie durch Spenden endlich stand, hätte der Münsinger Gemeinderat das Projekt aus gestalterischen Gründen beinahe gekippt. „Die Bürokratie ist ein Problem“, machte Roeske deutlich – bei der Anschaffung neuer Ausstattung wie auch im Einsatz-Alltag.

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Seine wichtigste Forderung, die „Seekind“ Schulze sofort unterschrieb, lautete, dass der Schwimmunterricht an den Schulen forciert werden muss. „Schwimmen sollte als Note im Zeugnis auftauchen, am besten sogar als Übertrittskriterium“, meinte die ledige Münchnerin nur halb im Ernst. Der Freistaat müsse die Mittel zur Verfügung stellen, vor allem müsse er den Bau von Hallenbädern unterstützen.

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Peter Knoblich sprach ein anderes, eher gesellschaftliches Thema an: die unvernünftigen Bootsfahrer auf der Isar, die sich selbst und andere durch Leichtsinn oder durch das Ignorieren von Regeln in Gefahr bringen. Heuer hätten die Wolfratshauser Retter zum Glück wegen des wenigen Wassers in der Isar dort kaum Einsätze zu bewältigen gehabt. Bei dem Hochwasser im Vorjahr dagegen sei es zu etlichen dramatischen Szenen gekommen.

Hans Urban bedauerte in diesem Zusammenhang, dass der Kreistag des Landkreises nun voraussichtlich das Befahren der Isar für Privatleute verbieten wird. Verbote sind auch für Schulze „keine gute Lösung“. Mit Urban und Roeske war sie sich einig, dass die Eltern wieder viel mehr Verantwortung und Erziehung übernehmen müssen. Dann mache auch das Ehrenamt wieder mehr Spaß. Schulze betonte: „Es ist der Kitt in unserer Gesellschaft. Wir müssen Strukturen schaffen, damit sich weiterhin fast die Hälfte aller Bayern ehrenamtlich engagieren.“ Tanja Lühr

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