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Wolfsangriff in St. Heinrich

Wolfsexperte: „Vorfall passt ins Erwartungsbild“

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Ulrich Wotschikowsky war einer der Ersten, der die vier, Anfang April auf einer Weide in St. Heinrich gerissenen Schafe sah. Seine Vermutung wurde nun bestätigt.

Münsing – Der betroffene Schafhalter hatte den Oberammergauer, einen der führenden Wolfsexperten hierzulande, kontaktiert und um dessen Urteil gebeten. Wotschikowsky tippte auf einen Wolf als Verursacher – und sollte damit Recht behalten. „Das war nicht schwer“, sagt der Fachmann im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die tiefen Kehlbisse“, die an den gut entwickelten Lämmern teilweise auch bis zum Brustkorb reichten, „waren ein deutliches Zeichen“. Eines der toten Tiere sei „gehörig angefressen“ gewesen.

Vorfall „lag quasi auf der Hand“

Ulrich Wotschikowsky:  Wolfsexperte aus Oberammergau

Der Vorfall in St. Heinrich „passte in unser Erwartungsbild“, sagt Wotschikowsky, „er lag quasi auf der Hand“. Einige Wochen zuvor nämlich, Mitte Februar, habe sich ein Wolf zwischen Oberammergau und Murnau herumgetrieben – zu erkennen an einer Spur, die man dort fand. Auch wenn das vorliegende genetische Material leider nicht mehr verwertbar gewesen sei, „waren das doch eindeutige Wolfsfährten“.

Der nächste Wolf wird kommen

Vom Fundort der Spuren aus hätte das umherstreifende Raubtier Münsinger Gemeindegebiet bereits innerhalb von zwei Tagen erreichen können. In der Realität aber habe es sich für diesen Weg einige Wochen Zeit gelassen. „Wie lange das dauert, weiß man nie so genau“, sagt Wotschikowsky. Man habe jedoch damit rechnen müssen, dass es „irgendwann hier auftaucht“. Zu sagen, wo sich der Wolf aktuell befindet, ist laut dem Experten „pure Spekulation. Er kann noch in der Gegend sein oder er ist bereits hunderte Kilometer weitergezogen.“ Klar ist für den Oberammergauer aber: „Wenn er fort ist, kommt irgendwann der nächste.“

Keine Panikmache

Den Vorwurf, er würde Ängste schüren, indem er die Attacke des Wolfes öffentlich gemacht hatte, weist Wotschikowsky, selbst seit mehr als 50 Jahren Jäger, von sich. Mit Panikmache habe das überhaupt nichts zu tun. „Derzeit ist es wahrscheinlicher, im Wald wegen Schneebruchs von einem Ast getroffen zu werden, als dass dort ein Wolf um die Ecke biegt“. Die Information sei aber wichtig: „Schafhalter und Landwirte sollen sich auf die Situation einstellen können. Was sie dann unternehmen, ist ihre Sache.“

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