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Und die Ente bleibt nicht draußen: Gleich am ersten Tag hatten die Kinder viel Spaß mit dem Loriot-Denkmal.

Zu Ehren von Vicco von Bülow

„Hach, ist das schön“: Münsing enthüllt Loriot-Denkmal

Da sitzen sie in ihrer feudalen Wanne aus grauem Granit, die beiden bronzenen „Herren im Bad“. Die Gemeinde Münsing enthüllte am Sonntag das viel diskutierte und lang erwartete Denkmal zu Ehren Vicco von Bülows alias Loriot.

Münsing Irgendeine Panne passiert doch immer. Zumindest in Loriots Sketchen. Aber bei der Einweihung des Denkmals für Münsings Ehrenbürger am Sonntagvormittag lief alles nach Plan. Kein Verhaspeln in den wirklich sehr persönlichen und gelungenen Redebeiträgen, kein Störfeuer seitens der Kritiker (die zuhause geblieben waren), kein fehlgeleiteter Wasserstrahl aus den Mündern der Herren Dr. Klöbner und Müller-Lüdenscheidt.

„Denkprozess in oberbayerischer Geschwindigkeit“

Nach einem „Denkprozess in oberbayerischer Geschwindigkeit“, so Bürgermeister Michael Grasl in Anspielung auf die Diskussionen um das Gedächtnismal, konnte dieses nun, sechs Jahre nach dem Tod des berühmten Humoristen, endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Witwe Romi und ihre beiden Töchter Susanne und Bettina, langjährige Wegbegleiter der Familie, zahlreiche Ehrengäste und eine große Fangemeinde wohnten dem kleinen Festakt auf dem Dorfplatz bei. Die Musikkapelle Münsing spielte in Bestbesetzung eine Mischung aus bayerischer Blasmusik und zackigen, preußischen Märschen wie dem Helenenmarsch aus dem Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“.

Bürgermeister Grasl erinnerte an die Verdienste von Bülows für die Gemeinde, allem voran die Leitung des Münsinger Teams in der ARD-Fernsehshow „Spiel ohne Grenzen“ im Jahr 1989. Der gebürtige Brandenburger, der von 1963 an abwechselnd in Berlin und Ammerland lebte, habe Münsing als seine Heimat bezeichnet, so Grasl. Den Dorfplatz habe er sehr geliebt.

Aus den Mündern sprudelt Wasser

Dort nun wird der großartige Karikaturist, Schauspieler und Regisseur Generationen im Gedächtnis bleiben, auch wenn die heutige Jugend mit Loriot nicht mehr viel verbindet. Die originalgetreue Replik des berühmten Sketches „Herren im Bad“ mit dem abwechselnden Wassersprudeln aus deren Mündern, der ihr gepflegtes Streitgespräch symbolisiert, soll durchaus zur Beschäftigung mit dem Werk des Künstlers einladen. Den Dialog spielte ganz wunderbar Gerd Haffmanns nach, von 1968 bis 1992 als Lektor im Diogenes-Verlag zuständig für den Autor von Bülow. Mit näselnder Stimme sprach er die unvergessenen Sätze „Die Ente bleibt draußen“ und – auf den albernen Tauchwettbewerb bezogen – „Aber ich kann länger als Sie.“

Auch in der Rede von Altlandrat Othmar Huber durften ein paar legendäre Loriot-Zitate nicht fehlen. Huber repräsentierte zusammen mit Altlandrat Manfred Nagler und dem Dritten Landrat Klaus Koch den Landkreis. Folgender, mit einem Augenzwinkern versehener Ausspruch jedoch stammte von dem 89-jährigen Huber selbst: „Es hätten ja nicht unbedingt nackerte Preußen sein müssen, die man hier vorführt.“

Romi von Bülow gefällt‘s

Romi von Bülow jedenfalls gefällt die Skulptur zu Ehren ihres verstorbenen Mannes sehr gut, wie sie sagte: „Ich bin damit hundertprozentig zufrieden.“ Die beiden beleibten Knollennasenfiguren hat der Starnberger Bildhauer Max Wagner in enger Abstimmung mit den Hinterbliebenen geschaffen. Von Paul und Werner Merckenschlager stammt die Badewanne. Münsings Dritter Bürgermeister Ernst Grünwald, selbst Künstler, hatte vermittelt und die Organisation rund um das Denkmal übernommen.

Bei den Besuchern kam das neue Kunstwerk gut an. „Hach, ist das schön“, meinte einer im typischen Loriot-Tonfall.

Von Tanja Lühr

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