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Feuerwehrleute stehen am 10.02.2016 an der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern).

„Albträume sind normal“

Jörg Kastner aus Münsing half nach dem Zugunglück

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Münsing/Bad Aibling - Der Münsinger Jörg Kastner hat nach dem Zugunglück von Bad Aibling vor Ort Rettungskräfte betreut. Er sagt: "Albträume sind normal".

Das Zugunglück von Bad Aibling ist das schwerste in Bayern seit mehr als 40 Jahren. Zehn Menschen haben ihr Leben verloren, Dutzende wurden verletzt. Rund 700 Rettungskräfte waren am Faschingsdienstag im Einsatz. Auch Jörg Kastner (36) erreichte ein Notruf. Der Münsinger engagiert sich seit 20 Jahren ehrenamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz.

Herr Kastner, warum hat man Sie verständigt?

Ich bin ausgebildet in der Stressbewältigung bei belastenden Einsätzen. Zusammen mit einer Kollegin aus Seeshaupt bin ich nach Bad Aibling gefahren. Dort haben wir uns mit Kollegen aus München getroffen.

Wie war Ihr Eindruck von der Situation vor Ort?

Jörg KastnerDer Münsinger iststellvertretender Bereitschaftsleiter beimKreisverband des BRK. Foto: red

Es waren bereits alle Patienten abtransportiert, und die Situation war entspannt. Mein Eindruck war, dass der Einsatz taktisch gut abgearbeitet war.
 
Was genau war Ihre Aufgabe?
 
Wir haben den beteiligten Rettungskräften angeboten, den Einsatz nachzubesprechen, und einige haben das auch angenommen. Wir haben ihnen gesagt, dass es ganz normal ist, wenn sie jetzt schlecht schlafen, Albträume oder Flashbacks haben, also das Erlebte noch einmal durchleben. Auch die Möglichkeit zu Einzelgesprächen gab es. Aber dafür bestand nur vereinzelt Bedarf.

Das Unglück forderte zehn Tote und viele Verletzte. So einen Anblick vergisst man bestimmt nicht so leicht.

Man trainiert für solche Fälle. Und an vorderster Front ist meist der professionelle Rettungsdienst im Einsatz. Diese Kräfte haben oft schon viel gesehen und wissen, worauf sie sich eingelassen haben. Mein Eindruck ist, dass sie oft gar nicht so traumatisiert sind, wie man vermutet. Das wird von den Medien oft überdramatisiert. In Bad Aibling konnten die Rettungskräfte, mit denen wir zu tun hatten, alle gut mit der Situation umgehen. Wir sind mit einem guten Gefühl wieder zurückgefahren.

Kann es sein, dass sich gewisse Symptome erst nach ein paar Tagen zeigen?

Ja, das gibt es, dass das Erlebte nach zwei oder drei Tagen zum Problem wird. Dann, wenn der Arbeitsmodus vorbei ist. In Bad Aibling werden deshalb noch die ganze Woche Gespräche für Rettungskräfte angeboten.

An wen wenden Sie sich, wenn Sie mal ein Problem haben?

Im Hintergrund gibt es Ärzte, Psychologen und Sozialpädagogen. Wenn’s wirklich hart auf hart käme, würde ich dort Hilfe suchen.

Das Interview führte Doris Schmid

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