Kaum ein Besucher wurde verschont: Christina Breiter befeuert als „Tratsch“ die Gerüchteküche. Foto: sabine hermsdorf

Nur Neid und Zwietracht

Wolfratshausen - Die Laienschauspieler vom Trachtenverein D’Loisachtaler haben ihr Publikum mit einer hintersinnigen Mischung aus deftig-bayerischem Volkstheater und surrealen Allegorien begeistert.

Wenn Ratsch und Tratsch zusammenkommen, kann das zu Verwicklungen führen. Im Vereinsheim des Gebirgstrachtenvereins ist genau das geschehen. Dort standen Ratsch (Michi Holzer) und Tratsch (Christina Breiter) höchstselbst auf und neben der Bühne und sorgten dafür, dass sogar die wildesten Gerüchte für bare Münze genommen wurden.

Genau das bezweckt das Theaterstück „Ratsch und Tratsch“ von Peter Landsdorfer, das die bestens aufgelegte Theatergruppe des Trachtenvereins an den vergangenen zwei Wochenenden darbot. Es gelang den Laienschauspielern, die Besucher der jeweils ausverkauften Aufführungen sofort in ihren Bann zu ziehen, gerade weil der Wiedererkennungswert nicht gering und manche Strippenzieherei nur haarscharf am richtigen Leben vorbei exerziert wurde.

Manchmal war das Publikum sogar Teil der Dramaturgie: Zunächst spielte die Musik nicht auf der Bühne, sondern im Publikum. Postbote Hans Niedl (Girgl Holzer) brachte auf einem hölzernen Rad zwar Briefe, er war aber auch ein lebendes Klatschmagazin, das nichts vom Postgeheimnis hält. Im Publikum streute er die - angeblich - persönlichsten Nachrichten unters Volk und nahm manchen Ehrengast ins Visier: Mal wurde er für eine Bestellung aus dem Beate Uhse-Katalog aufgezogen, mal über die Untreue der Frau informiert. Erst allmählich verlagerte sich das Geschehen auf die Bühne, wo vor allem Kramerin Rosina (Lisa Kometer), Nachtwächtersgattin Schmatzerin (Karin Hohneisen) und „Fotznmare“ (Christine Holzer) die Neuigkeiten des Postlers begierig aufsogen. Brühwarm gaben sie die Flüsterpropaganda an Wirt Karl Speckmoar (Toni Kometer), seine Bedienung Burgl (Martina Heinrich) und Totengräber Achaz Schmatzer (Seppi Holzer) weiter. Doch als plötzlich der Erbhofer Bauer (Franz Reeß) einen Brief erhielt, gab es wilde Vermutungen, und subtil schürten die für die Dörfler unsichtbaren Ratsch und Tratsch die Gerüchteküche, säten Neid und Zwietracht bis ins Publikum hinein. Kaum ein Besucher wurde verschont, als das Duo durch die Reihen schlich und zu Akkordeon oder Gitarre böse Lieder sang.

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