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Eitel Sonnenschein am Johannisplatz? Nicht ganz.

Umgestaltung Neuer Platz

Nicht alle Probleme am Johannisplatz wurden gelöst

Geretsried – Die Stadt gestaltet gerade den Neuen Platz um. Der Johannisplatz wurde vor knapp drei Jahren im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt" verschönert.

Bianka Plonczek (li.) und Gabriela Morovic zum Beispiel wünschen sich mehr Freiräume für die Jugend.

Unsere Zeitung fragte Anwohner am Johannisplatz, ob sie mit den Veränderungen zufrieden sind. Auf dem Spielplatz mit seinen Klettergerüsten, den Schaukeln und dem Sandkasten wuseln an schönen Nachmittagen gut und gerne 20 Kleinkinder herum. Die Mütter sitzen zusammen und unterhalten sich. Der eingezäunte Platz ist Anziehungspunkt auch für Eltern aus der Umgebung. Janine Holo wohnt am Isardamm, Jennifer Chvalina an der Egerlandstraße. „Das ist der schönste Spielplatz weit und breit“, sagen die beiden. Deswegen kommen sie mit ihren jeweils drei Jahre alten Kindern und den zwei Babys hierher. Julia Schubert ist Anwohnerin. Sie genießt es, dass „immer was los ist“, wenn sie mit ihrer einjährigen Tochter vor die Tür geht, sagt die gebürtige Berlinerin.

Seit seiner Umgestaltung vor knapp drei Jahren ist der Johannisplatz bei Familien beliebt. Für 690 000 Euro hat die Stadt damals die Fläche, die eigentlich ein großer Innenhof mit einem kleineren Nebenplatz ist, renovieren lassen. Die einst tiefer gelegene Betonarena inmitten der Wohnblöcke aus den frühen 1970er Jahren wurde aufgeschüttet und begrünt. Statt ihrer gibt es jetzt zwei Rasenflächen, getrennt durch einen Spazierweg. Die eine wurde mit Hecken bepflanzt, auf der anderen standen schon immer Laubbäume. Ein Quellstein, aus dem Wasser sprudelt, bildet den Mittelpunkt des Ensembles.

Vor diesem kleinen Brunnen sitzt Hans Speck auf einer Bank in der Sonne. Der 82-jährige Spätaussiedler aus Siebenbürgen wohnt in einem der Baugenossenschafts-Blöcke zur Sperlingstraße hin. „Mir gefällt der Platz jetzt besser als vorher. Er ist grüner und einladender“, sagt der Rentner. Ziel des Soziale Stadt-Projekts war es unter anderem, mehr Aufenthaltsqualität für die vielen älteren Menschen am Johannisplatz zu schaffen.

Eine Belebung des Wohnviertels durch Läden und vielleicht einen Treffpunkt für die Anwohner hätte sich Quartiersmanager Christian Lotz gewünscht. Früher gab es eine Sparkassenfiliale am Johannisplatz, einen Schlecker-Markt an Stelle der Johanniter-Kindertagesstätte, das Eiscafé „Il Paladino“ und die Bäckerei Halama. Sie alle haben zugemacht. Nur noch die Kneipe „Zur Hanni“, ehemals „Freddys Café“, der Friseursalon und die Apotheke existieren. Ein Kosmetikstudio hat neu eröffnet.

Auch Wilhelm Lotze sagt: "Irgendwo müssen die Kids ja spielen."

Die Ansiedlung von Geschäften könne er nicht steuern und den Treff hätten die Bewohner selbst in die Hand nehmen müssen, sagt Christian Lotz. „Ich hatte auch den Vorschlag einer Boccia-Bahn gemacht. Die würde sich am Johannisplatz echt anbieten. Aber das wollten die Leute nicht“, so Lotz. Der von der Stadt angestellte Quartiersmanager hat immer noch ein Auge auf die Entwicklung in dem Viertel. Für nächstes Jahr plant er eine Spielaktion für Kinder. „Wir überlegen, in den Ferien ein paar Geräte wie Pedalos oder Jonglierbälle zur Verfügung zu stellen und mit den Kindern Spiele zu veranstalten“, berichtet der Sozialpädagoge, der gleichzeitig das Jugendzentrum Saftladen leitet.

Für Kinder bis zwölf Jahre ist am Johannisplatz wirklich einiges geboten. Vernachlässigt werden die Jugendlichen. Und auch sonst ist wohl nicht alles besser als vorher. „Es gibt immer noch zu viele Dauerparker, die die Kurzzeitplätze vor dem Tierarzt und der Apotheke belegen“, beklagt Marieluise Meinlschmidt, die über der Apotheke in einer der Eigentumswohnungen lebt.

Wilhelm Lotze, Mieter in einer Baugenossenschafts-Wohnung genau gegenüber, erzählt, er sei zweimal bei den Umgestaltungs-Workshops für Anwohner gewesen. „Der Platz ist anders geworden, als wir es uns vorgestellt hatten. Schlecht ist er aber nicht“, meint der Rentner. Ihn störe, dass es durch die Innenhofsituation abends immer noch unwahrscheinlich halle, wenn die Kinder teilweise bis 22 Uhr draußen Fußball spielen. „Das sollte eigentlich durch die Rasenflächen gedämpft werden“, erinnert er an eines der Ziele aus den Workshops. Doch Lotze zeigt auch Verständnis: „Naja, irgendwo müssen die Kids ja spielen.“ Tanja Lühr

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