„Nicht jeder Keim ist ein Skandal“

Königsdorf - Wieder hat es belastende Proben vom Trinkwasser gegeben. Nun äußert sich  Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel in einem über den schwelenden Trinkwasserstreit.

Die Hoffnung auf eine dritte Fachmeinung im seit Monaten schwelenden Trinkwasserstreit hat sich vorerst zerschlagen. Wie berichtet ist nach Ansicht der Landesanwaltschaft nach den jüngsten Königsdorfer Befunden der Fall so klar, dass ein Kompromiss nicht mehr infrage komme. Unsere Mitarbeiterin Yvonne Zuber sprach mit Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel.

Herr Bürgermeister Demmel, es hat wieder drei belastete Proben im Brunnen von Wiesen gegeben – davon zwei nach der UV-Anlage. In der jüngsten Ratssitzung berichteten Sie aber erst auf Nachfrage von einem Befund. Warum wurde die Öffentlichkeit nicht darüber informiert?

Das wurde sie. Auf unserer Gemeinde-Homepage finden sich die Ergebnisse aller Proben. Damit sich die Bürger genau informieren können. Aber wir können nicht jede Probe öffentlich diskutieren. Es hat sich durch die neuerlichen Befunde nichts an der Trinkwassersituation geändert. Das Landratsamt interpretiert die Proben nur anders als wir und das Technologiezentrum Wasser, kurz TZW. Das TZW flippt nicht bei jedem Keim aus. Andere Gemeinden nehmen vier Mal im Jahr Wasserproben. Man würde 25 Jahre benötigen, um auf die Anzahl der Proben von uns in einem Jahr zu kommen. Würden andere so oft Proben ziehen, würde sich mit Sicherheit auch etwas Belastendes im Wasser finden. Es gibt kein keimfreies Wasser. Selbst wenn wir den Filter bauen, werden wir wieder Keime haben. Nicht jeder Keim ist ein Skandal.

Es sieht nicht mehr danach aus, dass es die dritte Fachmeinung geben wird, für die Sie sich seit langem einsetzen. Wie groß ist die Enttäuschung? 

Groß. Ich verstehe einfach nicht, weshalb das Landratsamt so viel Angst vor einer dritten, neutralen Meinung hat. Selbst die Kosten müsste das Landratsamt nicht tragen, da die Stadt Geretsried und die Gemeinde Königsdorf diese übernehmen würden. Und falls das Gesundheitsamt Recht bekäme, dann würden wir uns dem beugen und noch zweieinhalb Jahre weiterchloren bis die Filteranlage fertiggestellt ist. Es erschließt sich nicht, warum eine dritte Meinung verweigert wird, die als Entscheidungsbasis für eine 3,6 Millionen-Investition benötigt wird.

Wie geht es für die Gemeinde Königsdorf in der Sache weiter? 

Wir werden weiter für die dritte Fachmeinung kämpfen.

Laut Landrat Josef Niedermaier hetzt die Gemeinde Königsdorf gegen das Tölzer Landratsamt. Warum will Königsdorf sich nicht belehren lassen?

Ich denke nicht, dass in Königsdorf gehetzt wird. Wir wollen die Probleme gelöst haben und sonst nichts. Es bringt nichts, wenn der Landrat und ich uns gegenseitig den Schädel einschlagen, die Fachleute sollten das klären. Deshalb brauchen wir die dritte Meinung. Ein Bäckermeister (gemeint ist Landrat Niedermaier, Anm. d. Red.) und ein Finanzwirt (Demmel, Anm. d. Redaktion) können nicht wissen, welche Fachmeinung in der Trinkwasserfrage die richtige ist.

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