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Beziehungsgestörte Menschen – unter anderem großartig gespielt von Franz Meers (li.) und Christi ne Noisser.  

Petr Zelenkas Schrottengel

Nichts für Zartbesaitete: Ickinger Laientheater zeigt schwieriges Stück

Kein leichtes Stück, das sich Regisseur Stefan Mayer-Voigt da für seine Truppe ausgesucht hat. Keine leichte Kost auch fürs Publikum, obwohl als Komödie deklariert. Mit dem „Schrottengel“ von Petr Zelenka feierte das Laientheater Icking am Donnerstag im Zirkuszelt am Stockerweiher in Irschenhausen Premiere.

Icking – Im Mittelpunkt steht der gutmütige Piet. Er wird absolut überzeugend von Boris Fittkau dargestellt. Der 35-Jährige scheint seltsame Gestalten geradezu anzuziehen. Sein Freund „Mücke“ (Sebastian Kater), eigentlich kein unsympathischer Kerl, bastelt sich zur Befriedigung seines Sexualtriebs allerlei „Hilfsmittel“. Stolz präsentiert er sein neuestes Konstrukt, ein von der Wand montiertes Waschbecken mit halbem Abflussrohr in der passenden Größe für den Zebedäus. Zwischenzeitlich ist Mücke auch mal mit einer Schaufensterpuppe „zusammen“. Bei Frauen aus Fleisch und Blut hat er kein Glück.

Piets neue Nachbarn (Andreas Kunzelmann und Juli Vogel) haben ebenfalls ungewöhnliche Vorlieben. „Pussy kann nur, wenn ihr jemand dabei zuschaut“, erklärt ihr Freund Tschamsi. Piets Chef (Andreas Beckerath) schließlich gesteht seinem Mitarbeiter, dass er auf kleine Jungs steht, wegen der knackigen Popos. Die Sprache gleitet bisweilen arg ins Derbe ab, für Zartbesaitete oder unter 16-Jährige ist das eher nichts.

Viel feiner als die Perversitäten, die zur Schau gestellt werden, sind die zwischenmenschlichen Geschichten - Piets unerwiderte Liebe zu seiner Exfreundin Jana (Carolin Jordan) und die erlöschende Beziehung seiner Eltern, großartig gespielt von Christine Noisser und Franz Meers: die hysterische Mutter, die sich in die Katastrophenmeldungen dieser Welt flüchtet, und der Vater, ein pensionierter „Wochenschau“-Sprecher, der gehört und ernst genommen werden will, statt von seiner Frau eine beginnende Demenz attestiert zu bekommen. Wunderbar, wie Meers in einer Szene minutenlang eine Nachricht aus dem Jahr 1973 fehlerfrei rezitiert. Trost und Anerkennung findet der schüchterne Pantoffelheld ausgerechnet bei der exaltierten Künstlerin Sylvie (Lydia di Bernardo). Von ihr stammt auch die Idee, er solle sich ein Kleid seiner Frau anziehen, um sich besser in sie hineinversetzen zu können. Wirklich tragikomisch, wie er da im roten Fummel auf seinem Stuhl sitzt.

Alle Absurditäten des Stücks aufzuzählen, wäre absurd an sich. Die Figuren schlittern von Agonie und Onanie in Entfremdung und Entgleisung, taumeln zwischen Täuschung und Enttäuschung. Vorgeführt zu bekommen, wie diese verzweifelt beziehungsgestörten Menschen miteinander umgehen, ist lustig und traurig zugleich. Zu beobachten, wie sie Wege aus ihrem Dilemma suchen, ist anrührend. Ob sich Piet am Ende, wie schon der österreichische Liedermacher Ludwig Hirsch geraten hat, seiner Jana „selber in einem Packerl schickt“, um sie zurück zu erobern? Gelegenheit, es herauszufinden, besteht bei den weiteren Vorstellungen

Weitere Aufführungen

gibt es am Mittwoch, 18., Freitag, 20. und Samstag, 21. Juli, jeweils ab 20 Uhr (Einlass 19 Uhr).

tal

Lesen Sie auch: Worum es im neuen Stück des Zelttheaters geht

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