Surfbrett vor Stadtsilhouette: Mit Motiven wie diesem haben die Initiatoren für die Umfrage geworben. Foto: jens schumann

Surfwelle als Chance

Wolfratshausen - Ob es in Wolfratshausen eine Surfwelle geben wird, steht in den Sternen. Fakt ist: Das Interesse ist groß, wie die Auswertung einer Online-Umfrage zeigt, an der sich 2583 Personen beteiligten.

Vor zwei Jahren hat das Waldramer Surfer-Ehepaar Stefanie und Marcus Kastner seine Idee der Stadt vorgestellt. Ähnlich wie am Eisbach in München soll eine stehende Welle in Weidach Surfern das Wellenreiten ermöglichen. Der Ausschuss für Kultur, Jugend, Sport und Soziales hat sich im November 2013 einstimmig dafür ausgesprochen, das Projekt weiterzuverfolgen. Eine Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass die Welle bei Kosten von rund 300 000 Euro zwar technisch machbar ist. Trotzdem steht „zum momentanen Zeitpunkt nicht fest, ob sie umgesetzt werden kann“, schreibt Tourismusmanagerin Gisela Gleißl in einer Pressemitteilung. Entscheidend seien die weiteren Gespräche mit dem Kraftwerksbetreiber. Für die Welle muss nämlich genügend Wasser durch den Auslauf der Weidachmühle fließen, was bisher nicht der Fall ist.

Um Daten für weitere Voruntersuchungen zu bekommen, haben die Kastners mit der Stadt die Online-Umfrage entwickelt. „Damit sollen die Akzeptanz in der Bevölkerung und der voraussichtliche Bedarf an Nutzungszeiten ermittelt werden“, ergänzt Gleißl. Nach Sichtung der Ergebnisse könne man sich vorstellen, die Welle vor allem am Samstag und Sonntag anzubieten, eventuell auch montags, wenn nur wenige Flößer unterwegs sind.

„Die große Beteiligung“, schreibt Stefanie Kastner in ihrer Auswertung der Online-Umfrage, „macht deutlich, dass ein sehr großes Interesse an der Welle besteht“. Demnach finden rund 20 Prozent der Teilnehmer die Idee „super“, auch wenn sie selbst dort nicht surfen wollen. 60 Prozent würden die Welle auf jeden Fall ausprobieren. Die Mehrheit (95 Prozent) will im Sommer surfen, allerdings ist auch das Interesse am Frühling mit 70 Prozent hoch. Stefanie Kastner vermutet, dass die Zahlen für den Herbst, die wegen eines technischen Fehlers nicht vorliegen, ähnlich wären, dass die Welle also einen Großteil des Jahres genutzt würde. „Surfen ist mit entsprechender Ausrüstung vom Wetter unabhängig. Erfahrungswerte vom Eisbach zeigen, dass dort auch im Winter immer Surfer anzutreffen sind“, schreibt Stefanie Kastner.

Mehr als 2000 Personen wollen am Wochenende surfen, fast 1300 auch unter der Woche, die meisten spätnachmittags oder abends. Für Kastner ist das logisch: „Mit Blick auf die Altersstruktur - 72 Prozent sind über 18 Jahre alt und stehen im Berufsleben oder in Ausbildung oder Studium - ist es verständlich, dass die Mehrheit nur am Wochenende Zeit für Freizeitaktivitäten findet.“ Wenn man zudem bedenke, dass über 50 Prozent der interessierten Sportler in Wolfratshausen oder im Umkreis leben, „wird deutlich, dass viele diesen Sport regelmäßig vor Ort ausüben wollen“.

Apropos Alter: Dass nur 18 Prozent der Teilnehmer jünger als 18 Jahre sind, zeige, dass Surfen nicht nur für Jugendliche eine attraktive Freizeitbeschäftigung ist. Die Über-25-Jährigen sind eine gerne gesehene Zielgruppe. Sie würden in der Regel im Berufsleben stehen, über ein geregeltes Einkommen verfügen und seien bereit, nach dem Sport vor Ort zu verweilen und zu konsumieren. „Wolfratshausen bietet zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und gastronomische Angebote, die dann stärker genutzt werden“, ergänzt Stefanie Kastner. „Vorstellbar ist auch, dass sich das Angebot aufgrund des neuen Publikums erweitern wird.“

Klar ist aber auch: Kommt die Welle, muss man den Verkehr im Auge behalten. Um die Welle zu erreichen, würden die meisten (1485) laut Umfrage das Auto oder das Fahrrad (1168) benutzen. 794 Personen würden mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Die logische Folge für Kastner: „Die Stadt wird sich bei Fortschreiten des Projekts mit der Parkplatzsituation eingehend beschäftigen und Lösungen erarbeiten müssen.“ Bis Ende des Jahres soll feststehen, ob die Stadt tatsächlich an der Welle festhält oder nicht.

Frederik Lang

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