Feuer frei: An der alten Floßlände ließ es die Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen an Heiligabend krachen. Foto: Hans Lippert

„Ordentlicher Wumms“

Wolfratshausen - Das Weihnachts-Salutschießen der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen fand heuer zum 30. Mal statt.

Es ist traditionell eine laute Angelegenheit in der Flößerstadt, kurz bevor das Christkind kommt: Das Salutschießen der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Wolfratshausen zum Weihnachtsfest. Am Nachmittag des Heiligabends fand es zum 30. Mal statt.

Das Abgeben von Salutschüssen ist eine Tradition aus dem Berchtesgadener Land, erklärt Erster Schützenmeister Helmut Michel im Gespräch mit unserer Zeitung. „Mit dem Weihnachtsanschießen wird das Christkind begrüßt“, sagt er. Die Ursprünge des Böllerschießens lassen sich bis ins 14. Jahrhundert verfolgen. Ging es am Anfang vermehrt um die Vertreibung von Dämonen oder das Erwachen der Natur nach der Wintersonnwende, steht in der jüngeren Vergangenheit die christliche Botschaft im Mittelpunkt. Im Volksglauben heißt es, dass Böllerschüsse und der Klang von Glocken dem Christkind den Weg auf die Erde weisen. Der Brauch wurde früher nicht nur im Alpenraum, sondern bis nach Franken hinein praktiziert.

Die Gewehre der Böllergruppe der Feuerschützen sind mit zwölf Gramm Schwarzpulver geladen, erläutert Michel. Kugeln sind dagegen nicht im Lauf, ein Korken verdämmt das Geschoss. Genau genommen handelt es sich um keine Detonation, sondern eine Verbrennung. Michel: „Das gibt dann einen ordentlichen Wumms.“ Insgesamt werden pro Mann drei Ladungen abgegeben. Um sich vor dem unmittelbaren Knall zu schützen, tragen die Feuerschützen Gehörschutz. In Wolfratshausen rückt übrigens Jahr für Jahr am 24. Dezember nicht nur die Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft zum Weihnachtsfest aus: Auch die Mitglieder der Gebirgsschützenkompanie Wolfratshausen schießen mit ihren Gewehren Salut - und zwar am Sebastianisteg.

Laut Schützenmeister Michel zählen die Feuerschützen derzeit rund 250 Mitglieder aus dem gesamten Landkreis. „Eine Jugend haben wir aber momentan nicht“, räumt er ein. Das Problem: Weil im Verein normalerweise mit scharfen Waffen geschossen wird, müssten die Mitglieder mindestens 18 Jahre alt sein. Da haben die meisten Jugendlichen aber bereits andere Interessen. „Außerdem haftet dem Schießen insgesamt ein negativer Ruf an“, sagt Michel. In seinen Augen ist das aber verkehrt. Schießen sei einfach ein Sport, „der hohe Konzentration erfordert und Ruhe benötigt“, stellt der Experte fest.

Geböllert wird bei den Feuerschützen nicht nur an Weihnachten. Auch bei der Sebastiani-Prozession, einzelnen Beerdigungen und am Silvestertag rücken zwölf bis 15 Mann der Böllergruppe aus. Am kommenden Mittwoch, 31. Dezember (Silvester), böllern die Feuerschützen das nächste Mal: Ab 15 Uhr am Vereinsheim an der Geltingerstraße. Der Unterschied zum Weihnachts-Salutschießen: „Es werden pro Mann mindestens zehn Schuss abgegeben“, sagt Michel.

Sebastian Dorn

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