Paul LehmannSeit drei TagenEx-SPD-Mitglied. Foto: red
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Paul Lehmann: Seit drei Tagen Ex-SPD-Mitglied.

Hoffnungsträger sagt Adé

Darum kehrt Paul Lehmann der SPD den Rücken

Bad Tölz-Wolfratshausen - Er war einst der Hoffnungsträger und Landtagskandidat der SPD. Jetzt hat sich Paul Lehmann von der SPD verabschiedet.

Seinen Parteiaustritt verkündete Paul Lehmann umgehend auf Facebook: „Ein Drittel meines Lebens war ich Mitglied der SPD. Nach reiflicher Überlegung habe ich meinen Austritt gestern bekannt gegeben“, schreibt er im sozialen Netzwerk.

In der Partei galt Lehmann vielen als Nachwuchshoffnung. Bei der Landtagswahl 2013 holte er als Direktkandidat respektable 13,2 Prozent. Spätestens ab dem Frühjahr aber wurde eine Entfremdung zwischen ihm und den Genossen spürbar. Einen Tag nach der Kommunalwahl, bei der er trotz aussichtsreicher Listenplätze den Einzug in den Tölzer Stadtrat und in den Kreistag verpasst hatte, legte er seine Ämter als Orts- und stellvertretender Kreisvorsitzender nieder. Bei vielen Genossen stieß das auf Unverständnis.

„Ich wollte immer sozialdemokratische Themen einfordern, also mich für die einfachen Leute und für Arbeitnehmer einsetzen“, sagt der 27-Jährige. Dafür habe er in der SPD aber „keine Mitstreiter gefunden“. In Bad Tölz habe er das Kommunalwahlprogramm „ziemlich alleine geschrieben und zur Abstimmung vorgelegt“. In der Stadtrats-Praxis aber werde nichts davon umgesetzt. Und auf Bundesebene enttäusche ihn, dass die SPD das geplante Freihandelsabkommen TTIP mit den USA nicht vehement ablehnt.

Sein Parteiaustritt bedeute nicht, dass er sich von der Politik verabschiede. Auf Nachfrage erklärt er es für wahrscheinlich, dass er demnächst einer anderen Gruppierung beitritt. Welcher? „Das werde ich sagen, wenn es soweit ist.“

Bei den Genossen wird Lehmanns Austritt mit Überraschung und Bedauern kommentiert. „Das ist schade für die SPD, er ist ein wertvoller, junger Mensch“, sagt die Tölzer Ortsvorsitzende Camilla Plöckl. Der Kreisvorsitzende Wolfgang Werner hat Lehmann zur Vorstandssitzung am Donnerstag eingeladen, in der Hoffnung, ihn noch umstimmen zu können. „Paul ist ein Mann, den wir in Zukunft noch gebrauchen könnten“, so Werner. Inhaltlich stimme er auch weitgehend mit Lehmann überein. „Nur seine Reaktion nach der Kommunalwahl fand ich nicht so berauschend, aber das ist vergessen.“

Werner erinnert daran, dass mit Fabian von Xylander um die Jahrtausendwende schon einmal ein profilierter Landkreis-Genosse und ehemaliger Landtagskandidat ausgetreten sei – alsbald aber zurückkam. Andreas Steppan

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