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Gar nicht dufte: Waschmittel-Geruch ist nicht unbedingt angenehm, findet ein Ickinger Ehepaar – und hat seine Nachbarn verklagt

Persil-Posse in Icking

Frau verklagt Nachbarn wegen des Waschmittels

Icking - Weil sie der Waschmittelduft der Nachbarn stört, ist ein Ehepaar aus Icking vor Gericht gezogen. In der Verhandlung wurde aber schnell deutlich: Das Waschmittel ist nur ein Grund für den Zoff zwischen den Parteien.

Zwei Rentnern aus Icking stinkt’s. Wird im Haus nebenan gewaschen, gehen sie kaum noch vor die Tür. Die Düfte, die aus der Waschküche über die Hecke wehen, „sind so stark, dass man die Gartenarbeit unterbrechen muss“, sagt der Ehemann. Damit nicht genug: „Die Äpfel vom Baum duften nach Waschmittel.“ Und das Salatbeet, übrigens genau 30 Meter von der Waschküche entfernt, „muss abgedeckt werden, damit die Duftstoffe nicht in die Salatschüssel wandern“.

Knallharte Details, die gestern im Wolfratshauser Amtsgericht auf den Tisch kamen. Es gab noch mehr. Seine Frau habe wegen der Geruchsbelästigung körperliche Beschwerden und sei in psychiatrischer Behandlung. Die Rentnerin bestätigte das: „Ich habe Angst, dass mir ein Duftschwall entgegenkommt, wenn ich aus dem Haus gehe.“ Stressreaktionen hätten bei ihr Brennen im Hals, Übelkeit, Schlafstörungen und Kopfschmerzen ausgelöst. Im Frühling sei „nicht die erwachende Natur zu riechen, sondern nur der Duft des Waschmittels“, diktiert die Vorsitzende Richterin Kerstin Wimmer ins Protokoll.

Als Ursache allen Übels haben die Eheleute das Waschmittel der Nachbarn ausgemacht – und geklagt. Die darin enthaltenen Duftstoffe entweichen über den Schlauch des Wäschetrockners ins Freie. Das wäre womöglich unproblematisch, wäre da nicht die besondere Lage der Häuser: Das der Kläger liegt am Hang unterhalb. Dem Waschküchenfenster des Nachbarhauses gegenüber befindet sich eine Ligusterhecke. Dadurch, erklärte der Kläger, entstehe „ein mikrometeorologisches System“. Als ehemaliger Beamter des Deutschen Wetterdienstes sei er „fachlich vorbelastet“.

Nun sollen der Haus-Vermieter und die zwei beklagten Mietparteien Abhilfe schaffen. Doch die empfinden das Vorgehen des Rentner-Paars als Schikane. „Ich wasche nur Wäsche“, sagt eine der Frauen. „Noch dazu mit Persil, wie die Nachbarin mir geraten hat.“

Abgesehen von Vorwürfen hat der Kläger auch Lösungen parat: Entweder solle der Vermieter im Keller Entlüftungsschächte ziehen und die Duftstoffe in seinen eigenen Garten leiten. Oder die Mieter sollen sich neue Trockner („Kondenswäschetrockner wären empfehlenswert“) zulegen.

Richterin Wimmer war redlich bemüht, die Parteien vom Nutzen einer gütlichen Einigung zu überzeugen. Der beklagte Vermieter lehnte eine größere Baumaßnahme ab. Die geschädigte Ehefrau brachte aber noch eine Variante ins Spiel: „Sie könnten ein geruchsloses Waschmittel verwenden.“ Zu viel für Richterin Wimmer: „So weit kann man nicht gehen, Mietern vorzuschreiben, welches Waschmittel sie verwenden müssen.“ Gegen neue Wäschetrockner hätten die Beklagten nichts, wenn die Kläger sie zahlen würden.

„Aber der Hahn kräht dann immer noch“, warf der Anwalt der Beklagten ein. Das Federvieh des Klägerpaares raube seinen Mandanten den Schlaf. Außerdem: „Die regen sich über Grillen auf, das Kochen stört und das Feuerwerk an Silvester ganz besonders.“

Nach zweieinhalb Stunden war die Richterin mit ihren Bemühungen am Ende. Jetzt soll sich ein Sachverständiger ein Bild machen. Danach sehen sich die Nachbarn vor Gericht wieder.

Rudi Stallein

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