Pfarrer geißeln "Paragrafenreiterei" des Papstes

- VON KATHARINA BROMBERGER Bad Tölz-Wolfratshausen - Dort, wo Nächstenliebe und persönliche Freiheit über jedem Wort und jeder Handlung stehen, befürchtet man nun Denunziation und Misstrauen: Um Missbräuche der katholischen Liturgie zu bekämpfen, erarbeitete der Vatikan eine Instruktion: Katholiken werden aufgefordert, liturgisches Fehlverhalten, zum Beispiel das gemeinsame Abendmahl mit Protestanten, anzuzeigen. Priester in Pfarrgemeinden im Landkreis reagieren skeptisch.<BR>

<P>"Unverständnis über Rom" herrscht in der Pfarrei Heilige Familie in Geretsried. Dort beobachtet Pfarrer Hans Werner Matthes "sehr kritisch" die "zunehmende Verordnungswut": "Man verfällt immer mehr in eine Gesetzeskirche. Dabei sollten wir eine Liebeskirche sein."<P>Die Liebe steht für Anton Fürstenberger, ehemals Pfarrer in der Gemeinde Icking, an oberster Stelle. "Menschen sehen oft nur das Gesetz, nicht aber den Sinn dahinter", bedauert der Priester von der Abtei Schäftlarn. Das Gewissen stehe hinter jeder Entscheidung und wiege höher als der Paragraf. "Ich wäre froh, wenn alle dieses ureigenste Gesetz der Kirche kennen würden." Als Beispiel nennt Fürstenberger das Verbot der Laienpredigten in der Eucharistie. "Die Frohbotschaft soll allen Völkern verkündet werden. Ist nicht ein guter Pastoralreferent besser als ein Pfarrer, der aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr kann?" Die Regelung aus Rom bezeichnet er als "Paragrafenreiterei". Pfarrer Matthes stimmt zu: "Das ist nicht das, was Jesus in seiner Kirche wollte." Obwohl die Anklage laut Schreiben "im Geist der Wahrheit und Liebe" geschehen soll, werde die Denunziation gefördert.<P>Das befürchtet auch Marko Arabadzic, Pfarrer in Königsdorf. "Die Anzeige durch Gläubige kann das Vertrauen untereinander zerstören", meint er. Die "Einheit der Gemeinde" werde in Frage gestellt, wenn sich "manche Gläubige als Polizisten sehen". Die Furcht vor Denunziation könnte laut Pfarrer Matthes zu einem "Verlust der Lebendigkeit" führen. "Denkt man ständig an Paragrafen, wird ein lebendiger Gottesdienst schwer."<P>Bernhard Koch, Pfarrer in Großdingharting, fragt provokant: "Macht es da noch Spaß, Priester zu sein?" Ihn stören vor allem die vagen Aussagen. "Bis wir Priester genau erfahren, was der Papst hat sprechen lassen, wird es wohl bis Herbst dauern." Erst dann werde das Schreiben auf Deutsch erhältlich sein.<P>Pfarrer Fürstenberger ist gelassen. "Die, die bisher denunziert haben, werden es weiterhin tun. Durch diese Verordnung ändert sich nichts" - auch nicht die Gottesdienstgestaltung der Pfarrer. "Ich halte mich streng an das Direktorium", betont Pfarrer Elmar Heß von der Pfarrei St. Josef der Arbeiter in Waldram. Habe ein Gemeindemitglied dennoch eine Beschwerde, solle es das "im persönlichen Gespräch regeln". Pfarrer Arabadzic fürchtet ebenfalls keine Anzeige: "Was geht mich das an? Ich weiß, was ich tue, und niemand ist über meinem Gewissen außer Gott."<P></P>

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