Peter Schweiger Der Kreisarchivpfleger geht in die Offensive

Plädoyer für die alten Gemäuer

Wolfratshausen - Nachdem er sich in der Debatte um das Stadtarchiv lange zurückgehalten hat, geht Kreisarchivpfleger Peter Schweiger jetzt in die Offensive. Er spricht sich dafür aus, das Gedächtnis der Stadt in einem historischen Gebäude unterzubringen.

„Aus meiner Sicht wäre das Stadtarchiv im alten Krankenhaus oder im ehemaligen Badehaus am Waldramer Kolpingplatz realisierbar und wünschenswert.“

Schweiger, der auch Beisitzer im Historischen Verein ist, will sich in die politische Diskussion zwar nicht über die Maßen einmischen. Eine Hoffnung hat er aber vor der Sitzung des Bauausschusses, in der am morgigen Mittwoch im nicht öffentlichen Teil über die Verwertung des alten Krankenhauses beraten werden soll: „Ich würde mir wünschen, dass der Punkt vertagt und noch einmal über das Ganze nachgedacht wird.“ Die Stadt habe keinerlei Druck, das Grundstück zu veräußern. „Und der Immobilienmarkt wird ja nicht gleich wieder zusammenbrechen“, sagt der Archivpfleger mit Blick auf die Argumentation der Stadtverwaltung. Dort hatte man die Erwartung eines hohen Verkaufserlöses als Begründung dafür angeführt, warum man das Areal ausgerechnet jetzt ausgeschrieben hatte.

Schweiger verweist darauf, dass laut bayerischem Archivgesetz Gemeinden, Landkreise, Bezirke und sonstige kommunale Körperschaften die Archivierung ihrer Unterlagen selbst regeln. „Sie sind aber keinen strengen Vorschriften seitens des Staates unterworfen.“ Hohe Standards, wie sie beispielsweise Archiv-Spezialist Mario Glauert definiert hat (wir berichteten), seien als Optimum vor allem für mittlere und große Archivneubauten anzusehen. „In der Praxis müssen allerdings auch aus Kostengründen oft Abstriche gemacht werden“, sagt auch Peter Fleischmann, Leitender Direktor des Staatsarchivs München. Dass auch bei kleineren Archiven wie in Wolfratshausen hohe Anforderungen erfüllt werden müssen, ist Schweiger klar.

Auch wenn vorher noch Fachleute ihr Urteil abgeben und die Politiker den Willen erst entwickeln müssten: „Nach meiner Ansicht bestehen kaum Bedenken, ein historisches Gebäude in nicht hochwassergefährdeter Lage für ein Archiv zu adaptieren“, bilanziert Schweiger.

(fla)

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