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Ansprechstelle für den gesamten Landkreis etablieren

Landwirtschaftsschule

Platz für zehn junge Flüchtlinge

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Plan, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der ehemaligen Landwirtschaftsschule unterzubringen, nimmt konkrete Formen an: Gestern stimmte der Kreis-Bauausschuss dem Nutzungskonzept zu und beauftragte die Verwaltung mit der Umsetzung.

Rund 152 000 Euro muss der Landkreis in den Umbau des Gebäudes investieren. Den Betrieb übernimmt ein privater Träger. „Zehn junge Menschen, plus, minus drei“, könnten in dem Gebäude ein Obdach finden, erklärte Vize-Landrat Thomas Holz (CSU), der die Sitzung leitete.

Im Obergeschoss müsste nicht viel gemacht werden. „Das wurde ja als Internat genutzt. Da brauchen wir nur eine Fluchttreppe“, erklärte René Beysel vom Hauptamt des Landratsamts. Im Parterre befindet sich der Gemeinschaftsraum. „Dort müssten wir eine Sanitäranlage einbauen“, so Beysel. Im Keller befinden sich bereits eine Waschmaschine und ein Bügelzimmer. „Das passt alles, wie die Faust aufs Auge.“

Schwieriger umzusetzen wird das Beschulungskonzept, das Schulamtsleiterin Marianne Konrad sowie Förderschulleiter und Dritter Landrat Klaus Koch vorstellten. Normalerweise würden die unter 17-Jährigen in die Mittelschule gehen, für die Älteren ist die Berufsschule zuständig. Allerdings sieht die Praxis oft anders aus. „Die Jugendlichen können kein Deutsch, manche nicht einmal lesen und schreiben. Andere wiederum haben ganz hervorragende Englischkenntnisse.“ In einer Clearing-Übergangsklasse könnten die Jugendlichen erst einmal Deutsch lernen, bevor sie auf die für sie passende Schule geschickt werden. Außerdem könnte sich hier eine Ansprechstelle für den ganzen Landkreis in Sachen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge etablieren, sagte Koch.

Bei der Umsetzung gibt es zwei Probleme: Für diese Klasse gibt es im Moment keinen Raum. „Zuständig wäre die Hammerschmiedschule. Aber die haben keinen Platz“, sagte Konrad. Hier hatte Beysel, der vor der Sitzung mit dem Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner telefoniert hatte, gute Nachrichten: „Wir könnten Räume im Verwaltungsgebäude mit der Hausnummer 10 nutzen.“ Allerdings nur bis zum Frühjahr 2016 – dann möchte die Stadt das Gebäude abreißen, um eine Kindertagesstätte zu bauen. Für Konrad ist diese Option nicht ideal, „zumal wir erst im September mit der Klasse starten können“. Früher habe sie keine Lehrkräfte zu Verfügung. „Bis dahin müssen die Jugendlichen in die Übergangsklasse nach Geretsried gefahren werden.“ Daher bat sie darum, sich schon jetzt über eine längerfristige Lösung Gedanken zu machen. „Wären Container an der Hammerschmiedschule eine Option?“ Das lasse sich im Moment nicht beantworten, sagte Vize-Landrat Thomas Holz. „Wir haben das im Blick, aber bei dem Thema Asyl ist so viel im Fluss, dass das jetzt ein Schritt zu schnell ist.“

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