Geldbörse zulassen

Polizei und Ordnungsamt warnen vor Bettlern

Geretsried - Nicht nur in München, auch im Landkreis sind Bettler anzutreffen. Ordnungsamt und Polizei geben Tipps: Geldbörse zulassen und „ohne Almosen weiterschicken“.

Sie behaupten, sie kommen von einem Zirkus und würden Geld für arme Tiere sammeln. Sie sprechen Passanten auf der Straße an und bitten sie um Spenden für den Bau eines Zentrums für Taubstumme. Und sie klingeln mit Kindern an der Hand willkürlich an Haustüren. All diese Beobachtungen haben in den vergangenen Tagen Leser gemacht, die sich damit an unsere Zeitung gewandt haben.

Die Zahl der Bettler in München ist nach Angaben der Polizei in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Wo früher 20 Menschen die Hand aufhielten, seien es heute bis zu 100. Jetzt sagen Stadt und Polizei dem organisierten und aggressiven Betteln den Kampf an. Ab nächster Woche treten strengere Regeln in Kraft. Doch nicht nur in München sieht man sich mit den Banden konfrontiert. Auch vor Ort sind vereinzelt Bettler unterwegs, wie Polizei und Städte bestätigen.

In Wolfratshausen sei die Zahl „überschaubar“, sagt ein Mitarbeiter des Ordnungsamts, der nicht mit Namen genannt werden möchte. Meist handle es sich um Personen aus dem rumänisch-bulgarischen Raum, die auf der Durchreise in der Flößerstadt Halt machen und ihr Glück versuchen. Einige von ihnen würden vorgeben, taubstumm zu sein, und bitten Passanten um eine Unterschrift. Hinter dem Feld, in dem die ahnungslosen Opfern unterschreiben sollen, stehe ein Geldbetrag, den sie spenden sollen. „Zum Teil sind sie in Gruppen unterwegs und verschwinden nach kurzer Zeit wieder“, sagt der Mitarbeiter.

In Wolfratshausen konzentriere sich das Gros der Bettler auf die Marktstraße. „Sie laufen die Straße ab und gehen sogar gezielt in die Geschäfte rein“, heißt es aus dem Ordnungsamt. Regelmäßig würden sich deshalb Bürger bei der Stadt melden, die sich belästigt oder bedrängt fühlen. Laut Ortssatzung ist das Betteln in Wolfratshausen in jeglicher Form verboten. Trotzdem tue man sich beim Ordnungsamt schwer, etwas dagegen zu unternehmen. „Wir können ein Bußgeld und eine Verwarnung aussprechen und ihnen das Geld abnehmen, das sie dabei haben“, lautet dazu die Info. Die größte Macht hätte jedoch der Bürger selbst, indem er seinen Geldbeutel erst gar nicht auf macht.

Werner Resenberger, Leiter der Wolfratshauser Polizeiinspektion, weiß aus Erfahrung: „Die Leute geben immer wieder was her.“ Resenberger hat eigener Aussage nach zwei bis drei Mal pro Woche mit Beschwerden über Bettler zu tun. Er rät, sie „ohne Almosen weiterzuschicken“. Sein Geretsrieder Kollege Walter Siegmund beobachtet seit diesem Frühjahr eine Zunahme. Eine Erklärung dafür hat er nicht. Auch in Geretsried sei das Betteln untersagt. Den entsprechenden Vermerk finde man in der Grünanlagensatzung der Stadt, die vor knapp zehn Jahren in Kraft getreten ist. Dramatisch ist die Lage in der 24 000-Einwohner-Stadt laut Siegmund allerdings nicht.

Alessandro Capasso

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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