Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund
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Mit Riesenschritten zu einer vielleicht großen Karriere: Die Geretsriederin Ann-Kathrin Spöri.

Porträt der Woche

Über Mülheim zu Olympia: Badminton-Talent Ann-Kathrin Spöri (15)

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Mit 14 oder 15 Jahren denken wohl nicht wenige Jugendliche daran, dem elterlichen Zuhause Lebewohl zu sagen. Die wenigsten haben aber den Mut, schon in diesem Alter ihren eigenen Weg zu gehen. Ann-Kathrin Spöri hat es gewagt.

Geretsried – Die 15-Jährige ist im Sommer vergangenen Jahres aus ihrem Elternhaus in Geretsried ausgezogen und lebt nun rund 680 Kilometer entfernt in Mülheim an der Ruhr. „Das war keine leichte Entscheidung – weder für mich noch für meine Eltern“, sagt die gebürtige Starnbergerin. Doch immerhin war ihr der Umzug von höherer Stelle empfohlen worden, nämlich dem Deutschen Badminton-Verband, der in Mülheim sein Bundesleistungszentrum betreibt: Spöri zählt zu den besten Nachwuchsspielerinnen im Land, wurde 2016 Deutsche Meisterin der U 15 und stand bei der Europameisterschaft im Einzel und im Mixed im Viertelfinale. Außerdem verteidigte sie ihren Titel beim Deutschen Ranglistenturnier – dies allerdings zwei Altersklassen höher in der U19.

Vom Eiskunstlauf zum Badminton

Sportlich war Spöri von Kindesbeinen an. „Ich habe beim TuS acht Jahre lang Eiskunstlauf betrieben“, berichtet die Geretsriederin. Womöglich hat ihr das Training mit Schlittschuhen auf dem blanken Eis auch ein paar Vorteile gebracht, was die Beinarbeit beim Badminton betrifft. Den Weg zu ihrem heutigen Sport fand die Gymnasiastin über Freunde: „Die haben mich einfach mal mit zum Training genommen.“ Dort habe es ihr von Beginn an gefallen, da sich die Nachwuchskoordinatoren des TuS, Udo Lehmann und Uwe Eckhoff, sehr um sie gekümmert haben. Es folgten alsbald die ersten Turnierteilnahmen, „und das hat mir echt Spaß gemacht“.

Eine ganze Reihe von Erfolgen

Zumal die Geretsriederin erfolgreich spielte und eine ganze Reihe von Erfolgen feierte. 2016 war ein Jahr mit vielen Höhen und einem kleinen Tiefpunkt. Spöri wurde in Gera Deutsche U15-Meisterin im Einzel und gewann im hessischen Maintal wie im Jahr zuvor das deutsche Ranglistenturnier der U19. „Ein bisschen unglücklich, weil ich mir mehr erhofft hatte“, war die 15-Jährige mit ihren Europameisterschaftsteilnahmen. Beim Turnier der U15 in Kazan/Russland schaffte sie im Einzel und im Mixed jeweils den Sprung ins Viertelfinale. Platz fünf mit der Nationalmannschaft holte sie bei der U17-EM in Polen. „Da ist es im Einzel nicht so gut gelaufen“, bedauert sie.

Optimistisch und kämpferisch

Ein Rückschlag folgte im Spätsommer, als sich Spöri eine Verletzung des hinteren Oberschenkelmuskels zuzog. „Das hat mich etwas zurückgeworfen“, räumt sie ein, zeigt sich aber zugleich optimistisch wie kämpferisch: „Es gibt nicht umsonst die Redewendung im Sport ,Come back stronger‘, dass man also nach einer Verletzungspause häufig stärker zurückkommt.“

Im Internat „vergleichsweise wenig Schule, aber viel Training“

Parallel erfolgte der Wechsel nach Mülheim. „Es war vom Verband empfohlen worden, dass ich dort ins Internat gehen sollte. Aber ich musste meine Eltern überreden“, räumt die Jugendliche ein. Denn nicht nur, dass Ralph und Angelika Spöri ihre Tochter jetzt nur noch alle vier Wochen und in den Ferien zu Gesicht bekommen – sie müssen auch für deren Aufenthalt im Bundesleistungszentrum finanziell aufkommen. Die Eingewöhnung in Mülheim fiel der selbstbewussten und freundlichen Jugendlichen erst nicht leicht: „Man muss auf einmal alles selbst organisieren – Kochen, Waschen, Einkaufen.“ Wie die weiteren 14 Internatskolleginnen und -kollegen hat Spöri „vergleichweise wenig Schule, aber viel Training“. Alle paar Wochen fliegt sie nach Hause zu ihren Eltern und versucht auch für die Regionalliga-Partien des TuS zur Verfügung zu stehen. Fünfmal kam sie in der Hinrunde zum Einsatz und verbuchte im Einzel einen Sieg und eine Niederlage. Im Damendoppel an der Seite von Michelle Deschle gab es in drei Duellen drei Siege.

Die Beinarbeit ist ihre Stärke

Was für sie die Faszination am Badminton ausmacht, fasst die 15-Jährige kurz zusammen: „Es ist die Kombination aus Laufen und Schlagen.“ Wo sieht sie ihre Stärken? „Eindeutig die Beinarbeit.“ Und was gäbe es noch zu verbessern? „An meinen Finten könnte ich noch arbeiten.“ Die Feinheiten schaut sich Spöri am liebsten bei den ganz Großen ihrer Sportart an. Der Spanierin Carolina Marin beispielsweise, Olympiasiegerin von Rio und amtierende Welt- und Europameisterin im Einzel. „Unglaublich, was sie für eine Willenskraft hat.“ Ein weiteres Vorbild ist die Japanerin Nozomi Okuhara, die vor allem in Asien schon viele Titel errungen hat: „Sie ist zwar klein, aber wahnsinnig flink.“

Coach Lehmann: „So ein Talent wie Ann-Kathrin begegnet einem selten“

Was ihre eigene Karriere betrifft, zeigt sich die Geretsriederin zurückhaltend: „Ich habe mir keine konkreten Ziele gesetzt. Ich lasse die Dinge lieber auf mich zukommen.“ Ihr Vereinscoach Uwe Lehmann jedoch lobt sie in einem Interview des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) in höchsten Tönen: „Sie macht eine kontinuierliche Entwicklung durch. So ein Talent wie Ann-Kathrin begegnet einem selten in seinem Leben als Trainer.“ Der TuS-Übungsleiter traut seinem Schützling das zu, was Spöri insgeheim als sportliches Ziel anvisiert: „Sie kann es zu den Olympischen Spielen schaffen, wenn sie nicht durch Verletzungen oder andere Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen wird.“ In Frage kämen Olympia 2024 oder 2028. Dann wäre die Geretsriederin 23 oder 27 Jahre alt – und gegen eine Unterkunft im olympischen Dorf wird sicherlich niemand intervenieren.

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