Präsidialer Salto mortale

- FF Geretsried: Chef Tordi tritt, Trainer Herberth kehrt zurück

Geretsried - Der Präsident schmeißt den Trainer raus. Die Mannschaft meutert gegen den Präsidenten - mit Folgen: Der Chef tritt, der Trainer kehrt zurück. Nein, das ist nicht Schalke, wo die Herren Siebert und Eichberg einst wie Diktatoren die Köpfe ihrer Untertanen rollen ließen. Dies hat sich nicht in Nürnberg beim Club, einer anderen Skandalnudel des deutschen Fußballs, zugetragen, sondern in Geretsried, am Robert-Schumann-Weg. Am Dienstagabend sprach Peter Tordi, Boss der dort ansässigen Fußballfreunde, seinem Trainer Guido Herberth wegen persönlicher Differenzen die Kündigung aus (wir berichteten). 48 Stunden später trat Tordi von seinem Posten zurück, und Stellvertreter Thomas Keller setzte - seine erste Amtshandlung - Herberth wieder auf die Trainerbank.

"Meine Herren, auf Wiedersehen"

Auslöser von Tordis präsidialem Salto mortale war ein Gespräch am Donnerstag zwischen ihm und der Mannschaft. "Die Spieler haben mir mehrheitlich gesagt, dass sie weiterhin mit Guido Herberth zusammenarbeiten wollen", sagt der 49-Jährige, der den Klub sieben Jahre führte. Tordi verstand dies als klare Abfuhr. Ihm blieb nur, "meine Herren, auf Wiedersehen" zu sagen. Was ihn genau nach "anfangs guter Zusammenarbeit" mehr und mehr von Herberth abrücken ließ, mochte der Ex-Boss auch gestern nicht verraten. "Ich will keine schmutzige Wäsche waschen." Er habe mit dem Verein alles erreicht, was er sich vorgenommen hatte: "Wir haben Flutlicht bekommen, dazu noch einen Rasenplatz und keine Schulden." Die erste Mannschaft sei in die Kreisklasse aufgestiegen, "und der Nachwuchs so gut wie nie". Wunderbare Jahre seien es für ihn bei den Fußballfreunden gewesen, "ich kann also ruhigen Gewissens abtreten".

Der reinstallierte Trainer sieht das genauso, weshalb ihm die "ganze Geschichte sehr leid" tue. "Ganz ehrlich", sagt Guido Herberth, "ich freu mich nicht, dass er weg ist. So einen Abgang hat der Peter nicht verdient." Verstanden hat der 41-Jährige jedoch immer noch nicht, warum es zu seiner Demission kam. Andere Leute aus dem Verein, "die mit Peter befreundet sind", hätten ihm, Herberth, gesteckt, dass der Wechsel von Tordis Sohn Peter nach Baierbrunn das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Der Coach hatte Tordi junior kaum im ersten Team berücksichtigt. Herberth "weiß aber nicht, ob das wirklich der Auslöser war".

Gefreut hat den 41-Jährigen der bedingungslose Rückhalt aus den drei Seniorenteams. Weil die Kicker so hinter ihm stehen, hat der 41-Jährige sogar kurzfristig daran gedacht, seine Arbeit über das Saisonende hinaus fortzusetzen, bleibt aber nun doch bei seinem vor Beginn des ganzen Theaters gefassten Entschluss. "Die Familie geht dann mal vor." Sein älterer Sohn, der bei Bayern München kickt, muss ab der kommenden Saison viermal pro Woche nach München chauffiert werden. Das möchte Herberth nicht allein seiner Frau aufbürden. Die erfolgreichen D-Junioren, bei denen sein jüngerer Filius am Ball ist, wird er aber weiterhin betreuen.

Als Triumphator in dem Machtkampf fühlt sich Guido Herberth nicht, weil er seinen Klub nicht schadlos aus der Posse kommen sieht. Mühevoll hatten sich die lange als bieder und miefig geltenden Fußballfreunde - angetrieben von Tordi und Herberth - ein freundlicheres Image erarbeitet. Das hat, sagt der Trainer, "durch diese Geschichte sicher gelitten". Die neue Vorstandschaft, die turnusgemäß am 5. März gewählt wird, werde einiges "tun müssen, um das zu korrigieren".peb

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