Ein Profi auf dem Beifahrersitz

- Martina Gastl-Pischetsrieder - Eine der jüngsten Fahrlehrerinnen

VON KATHARINA BROMBERGER Wolfratshausen - "Nächste Kreuzung links." Schon als Mädchen gab Martina Gastl-Pischetsrieder im Fahrschulauto ihres Vaters Anweisungen. Mit ihren 21 Jahren bringt sie jetzt unwesentlich jüngeren Schülern das Einparken bei. Die Wolfratshauserin ist eine der jüngsten Fahrlehrerinnen Bayerns.

"In den vergangenen zwei Jahren gab es nur vier Personen, die jünger waren", informiert Bernhard Rupp vom Prüfungsausschuss für Fahrlehrer in Bayern. "Das Durchschnittsalter liegt bei 29,8 Jahren." Vom jüngsten Fahrlehrer im Praktikum trennen Martina Gastl-Pischetsrieder 130 Tage. Dabei war hier eine Sondergenehmigung nötig. Die Wolfratshauserin erklärt: "Den vorläufigen Fahrlehrerschein erhält man erst mit genau einundzwanzigeinhalb." Dieses Alter hatte sie am 26. Februar erreicht, bereits Mitte Februar hatte sie die nötigen Prüfungen bestanden. "Seit Anfang März fahre ich selbst", sagt sie nicht ohne Stolz in der Stimme. Stolz ist auch Vater Schorsch Meier von der Fahrschule kmh. "Überall stellt er mich als ,die jüngste Fahrlehrerin Bayerns vor`", erzählt sie lachend.

Ihre zielstrebige Berufswahl ist in die Wiege gelegt. "Man wächst mit der Fahrschule auf", sagt die gelernte Kinderpflegerin. "Mein Vater erzählt oft, dass ich schon als Kind seine Schüler vom Rücksitz aus belehrt habe mit den Worten: ,Schauen auch musst.`" Wie damals spart sie auch heute nicht an Kritik. "Wenn man sie nur lobt, brauchen sie zehn Stunden mehr." Probleme, sich Respekt zu verschaffen, hatte sie bisher nie. "Ich glaube, das hat nichts mit dem Alter zu tun. Zeigt man, dass man Ahnung hat, ist auch Vertrauen da." Der Erfolg spricht für sich: Neun Schüler hat sie schon zur Prüfung geführt.

Gastl-Pischetsrieder sieht durchaus Vorteile in ihrem Alter: "Einige können sich mit mir besser identifizieren. Von mir wirken Anweisungen vielleicht nicht so lehrerhaft." Und nicht alle Schüler sind jünger. Lachend berichtet sie von einer 70-jährigen Dame: "Sie war eine Freundin meiner Oma."

Während sich die junge Frau auf ihre Abschlussprüfung vorbereitet, um an ihrem 22. Geburtstag am 26. August fertig zu sein, spekulieren auch ihre Schwester und ihr Bruder mit dem Beruf des Fahrlehrers. Gastl-Pischetsrieder: "Das ist eine Art Familienkrankheit."

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