"Profitgier": Wolfratshauser muss hinter Gitter

Wolfratshausen/München - Der Wolfratshauser (41), der 91 Polen illegal beschäftigt und ausgebeutet hat, muss für ein Jahr und acht Monate ins Gefängnis.

Er schluckte, als er das Urteil hörte. Denn bis kurz vor Schluss der Verhandlung hatte er nicht begriffen, wie ernst die Lage ist: „Ich bitte von einer Gefängnisstrafe abzusehen“, sagte er in seinem letzten Wort. Er wolle seine Firma, eine Prospektverteileragentur, weiter ausbauen. Doch das Landgericht München II machte ihm erst mal einen Strich durch die Rechnung. Es verurteilte ihn wegen Vorenthaltens von Arbeitsentgelt und Sozialversicherungsbeiträgen, Beschäftigung von Ausländern ohne Genehmigung und Steuerhinterziehung.

Der Vorsitzende Richter ging hart ins Gericht mit dem Wolfratshauser: „In diesem Verfahren schaut aus jedem Knopfloch die Profitgier des Angeklagten heraus“, sagte Martin Rieder. Die Polen, die der 41-Jährige beschäftigte, waren alle als Selbstständige gemeldet. Doch in Wirklichkeit waren sie Arbeitnehmer, die er als solche hätte anmelden und bezahlen müssen. Der Richter warf dem Verurteilten „generell rücksichtsloses Verhalten“ vor. Er zeige keine Reue und Schuldeinsicht. Das Einzige, was ihm der Richter zugute hielt, war der Wille, den Schaden wieder gutzumachen: 110 000 Euro an Beiträgen für die Sozialversicherung und 30 000 Euro Lohnsteuer.

Der Kaufmann hatte seine Arbeitskräfte im Internet angeworben. Er brachte sie in einer engen Sammelunterkunft in Geretsried unter und organisierte ihre Arbeit straff. In der Früh wurden sie mit firmeneigenen Bussen abgeholt. In Wolfratshausen bekamen sie Handwagen, dann wurden sie durch die halbe Republik gekarrt – nach München, Würzburg, Frankfurt am Main, wo sie Werbeprospekte verteilen mussten. Viele von ihnen sprachen kaum ein Wort Deutsch. (ng)

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