Schaurig-schöne Perchten: Die zahlreichen Gäste der Rauhnacht-Lesung mit Dinner am Samstagabend im Wirtshaus Flößerei fühlten sich geistreich und gut unterhalten. Foto: Sabine Hermsdorf

Ein Prost auf den Leibhaftigen

Wolfratshausen - Die Perchten, ihre Legenden und Riten ließen Gabriele Rüth, Sabrina Schwenger und Andreas Martin Bräu in einer schaurig-szenischen Lesung lebendig werden.

Eingebettet waren die Geschichten in ein köstliches Drei-Gänge-Menü, das aus zwölferlei Bestandteilen den vielen Besuchern des Rauhnacht-Dinners am Samstagabend im Wirtshaus Flößerei im nächsten Jahr Glück bringen sollte. Gut ein Jahr haben die drei Geschichtenerzähler dafür recherchiert und dabei herausgefunden, dass die Perchtenläufe aus vorchristlicher Zeit stammen müssen, welche Figuren es gibt und welche Bedeutung sie haben. „Je tiefer man in dieses Thema einsteigt, desto mehr tut sich darin auf“, sagte Sabrina Schwenger. In den Rauhnächten „steht die Tür einen spaltbreit zur Anderswelt offen“, erklärte Gaby Rüth, Vorsitzende des Flößervereins, den Zuhörern zu Beginn der Lesung. Es sind die zwölf Nächte vom Heiligen Abend bis zum 6. Januar, quasi „eine Zeit zwischen der Zeit“. In dieser Zeit treiben gruselige Gesellen mit wilden Fratzen ihr Unwesen. Sie rasseln mit Ketten und Schellen durch die Nächte und treiben die Wintergeister aus und jagen so manch kleinem Sünder Angst und Schrecken ein. Die Perchtenläufe gibt es in Tirol, in der Rosenheimer Gegend und sogar in Dietramszell, nur in Wolfratshausen mag man die wilden Burschen scheinbar nicht. „Leider fand hier nur ein einziges Mal diese alte Tradition statt“, weiß Gaby Rüth.

Ein wohliger Schauer lief den Zuhörern bei den urigen Geistergeschichten, verbunden mit dem Duft von Entenbraten mit Bratapfel und Limettenmousse mit Glühweinbeeren über den Rücken. Rüth, Schwenger und Bräu schlüpften in die Rollen der „Frau Percht“, in die des „Warzners“, der „Zenzl“ und des „Mesners Hans“. Diese Gestalten machen sich in der Mondnacht zur Ruine Werdenfels auf, um das Rittergold zu suchen. Mit stechendem Blick mimte Andreas Bräu den „goasfinsteren Leibhaftigen“ und mit bübischem Grinsen den „Bazi von der Partnachklamm“, der mit dem „Deifi um die Wette trank“. Keifend und mit schriller Stimme schlüpfte Gaby Rüth in die Figur der „hagelbuchernen Kathl“, lieblich-säuselnd spielte Sabrina Schwenger dagegen die „scheinheilige Ungläubige“. Gemeinsam erzählten sie unheimliche Begegnungen mit dem „Gangerl“ respektive „Sparifankerl“, wie man hierzulande den Teufel nennt. Dieser ließ sich dann auch nicht lange bitten und erschien prompt und leibhaftig mit einem Tablett voller Klamm-Geist-Stamperl, um mit dem Publikum anzustoßen. Zu guter Letzt durften die Besucher draußen im winterlichen Wolfratshausen ihre Wünsche mit einem Weihrauchsackerl ins Feuer werfen. Frau Percht hatte gerade rechtzeitig die Schneeflocken geschickt?

Andrea Weber

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