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Dicht gedrängt standen die Bürger um das Modell des künftigen Geretsrieder Stadtzentrums.

Rathauschef verteidigt Zentrumspläne

Das Stadtmodell als „Mogelpackung“ ? 

Eigentlich sollte das Stadtmodell mit den beiden neuen Elementen (Krämmel- und Baugenossenschafts-Neubau) erst am 17. März öffentlich präsentiert werden. Angesichts der Kundgebung der Interessengemeinschaft (IG) Karl-Lederer-Platz zeigte es die Stadt schon am Samstag im Sitzungssaal des Rathauses.

Geretsried –  Dort lag auch ein druckfrisches Hochglanz-Faltblatt mit dem Titel „Faktencheck“ aus. Die gesamte T-Zone, also der Karl-Lederer-Platz und die Egerlandstraße, sind mit Holzklötzchen maßstabsgetreu nachgebildet. Die geplanten Neubauten, das „Puls G“, wie Investor Reinhold Krämmel und sein Sohn Korbinian ihr Projekt getauft haben, und das neue Wohn- und Geschäftshaus der Baugenossenschaft, sind von innen heraus hübsch beleuchtet. Beide wirken nicht übermäßig hoch im Vergleich zu den bestehenden Gebäuden ringsherum.

Darstellen, wie die Stadt in 30 Jahren aussehen könnte

Es dauert jedoch nicht lange, da nimmt ein Besucher eines der flachen Holzbrettchen, die auf den Nachbarhäusern liegen, ab und fragt verwundert, warum diese „aufgestockt“ worden seien. Die Antwort von Architekt Klaus Kehrbaum, man habe darstellen wollen, wie die Innenstadt in zirka 30 Jahren aussehen könnte. Ein Grummeln geht durch die Menge der Umstehenden. „Das ist doch eine Mogelpackung“, empört sich IG-Sprecherin Eva Eberhardt, die nach der Kundgebung noch ins Rathaus gekommen ist. Sie sagt, die Wohnblöcke am Platz seien vom Fundament her gar nicht für ein weiteres Geschoss ausgelegt. Vize-Bürgermeister Hans Hopfner entgegnet, er glaube auch nicht, dass die alten Häuser in 30 Jahren noch stehen. Bürgermeister Michael Müller, die anwesenden Stadträte, Architekt Klaus Kehrbaum und Investor Reinhod Krämmel müssen sich einiges an Kritik anhören, auch unsachlicher Art. „Sie wohnen ja schön ruhig in Dietramszell oben. Sie würden selber bestimmt nicht an den Karl-Lederer-Platz ziehen wollen“, fährt ein älterer Herr Krämmel an. Ein Bewohner des Martin-Luther-Wegs beklagt sich, dass ihm und seinen Nachbarn 15 Jahre lang ein Lärmschutz zur B 11 hin versprochen worden sei. Seit Kurzem berufe sich die Stadt auf die baldige B 11-Verlegung, die eine Schutzwand überflüssig mache. „Obendrein setzt man uns jetzt einen Klotz vor die Nase mit einer Tiefgarageneinfahrt vor unserer Haustür und lautem Lieferverkehr“, beschwert sich der Anwohner.

Krämmel: Planung ist „städtebaulich der richtige Ansatz“

Krämmel sagt am Ende der Veranstaltung, er habe „viele interessante Gespräche“ geführt und „tolle Ideen“ gehört. Er respektiere jede Meinung, bedauere aber, dass manche Bürger polemisch und oft falsch argumentierten. Auch wenn er die sieben Geschosse gar nicht gefordert habe, sondern dies ein Wunsch der Stadt gewesen sei, stehe die Krämmel Familien GbR „zu hundert Prozent“ hinter der Planung, weil sie „städtebaulich der richtige Ansatz“ sei. Bürgermeister Müller sagt: „Ich bin nach wie vor überzeugt vom Konzept. Man muss heute in die Höhe gehen. Wir wollen Stadt werden und dafür brauchen wir große Einzelhandelsflächen.“ Ein Bürgerbegehren, das an diesem Tag vereinzelt bei den Gegnern anklingt, fürchten weder Müller noch Krämmel, wie sie sagen. 

Von Tanja Lühr

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