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Rettungsdienst im Einsatz

So funktioniert die 12-Minuten-Regel im Nordlandkreis

Maximal zwölf Minuten: Das ist die Hilfsfrist, die Rettungsdienste vom Zeitpunkt der Alarmierung bis zum Einsatzort brauchen dürfen. Jedes zehnte Einsatzfahrzeug schafft es aber nicht mehr, diese Zeitspanne einzuhalten. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl hervor. Gilt das auch für den Nordlandkreis?

Wolfratshausen – „Nein“, sagt Dr. Martin Dotzer. Laut dem Ärztlichen Leiter des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Oberland ist der Nordlandkreis von den gravierenden Verspätungen nicht betroffen. „Im vergangenen Jahr hielt die Rettungswache Geretsried die Hilfsfrist in 94,9 Prozent der auswertbaren Fälle ein“, so der Ärztliche Leiter. „In Wolfratshausen waren es 93,5 Prozent.“ Das liege deutlich über der Vorgabe für die Hilfsfrist des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement an der Universität München: „Gemäß dieser Regelung müssen lediglich 80 Prozent der ersten qualifizierten Fahrzeuge des Rettungsdienstes den Einsatzort in der vorgegebenen Zeit von zwölf Minuten erreichen“, erklärt Dotzer. Das bedeutet, dass selbst die Länderquote eigentlich im tolerierten Rahmen liegt – und die Einsatzkräfte im Nordlandkreis sogar noch besser sind.

TRUST-Gutachten dienen der Analyse

Dr. Christoph Preuss ist Leitender Notarzt in der Wolfratshauser Klinik.

Die Grundlage für solche Angaben sind die so genannten TRUST-Gutachten. Diese analysieren etwa alle zwei Jahre die Trends und Strukturen des bayerischen Rettungsdienstes. „Veränderungen sind hier immer festzustellen, aber sie sind in der Regel nicht dramatisch“, weiß Helmut Ochs, Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) Oberland. Ergibt ein solches Verfahren, dass die Rettungskräfte in mehr als 20 Prozent der Einsätze die Zwölf-Minuten-Marke überschreiten, werden Detailanalysen durchgeführt, um die Probleme zu ermitteln. „Dann können wir dementsprechend nachjustieren“, so der ILS-Leiter. „Das funktioniert zum Beispiel mit zusätzlichen Fahrzeugen oder Umbesetzungen.“ So habe die Rettungsleitstelle Weilheim 2015 deshalb neben einem weiteren Rettungswagen mit Bernried auch einen zusätzlichen Standort bekommen.

Einsatzkräfte sind trotzdem kritisch

Trotz der guten Werte treffen Rettungskräfte gelegentlich nicht so pünktlich am Einsatzort ein, wie sie es sich selbst wünschen. Dr. Christoph Preuss von der Wolfratshauser Kreisklinik macht dafür drei Faktoren verantwortlich. Grundsätzlich komme es auf den genauen Ort im Zuständigkeitsbereich an. „Nach Dietramszell oder Königsdorf brauchen wir von Haus aus länger“, sagt der Leitende Notarzt auf Nachfrage unserer Zeitung. „Das ist meiner Einschätzung nach manchmal grenzwertig.“ Spürbar sei auch, dass der Notarzt, der laut Preuss für die Randbereiche wie Schäftlarn, Kempfenhausen und Höhenrain zuständig war, nicht mehr da ist.

Preuss: „Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig“

Außerdem werde der Rettungsdienst heute viel häufiger und schneller verständigt. „In vielen Angelegenheiten wäre der kassenärztliche Notdienst ausreichend“, sagt Preuss. Beispiele dafür seien Blutdruckprobleme oder Lungenerkrankungen. „Aber man darf das nicht verteufeln“, betont der Notarzt. Wer sich unsicher ist, ob ein Ernstfall vorliegt, solle den Rettungsdienst „lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig“.

Von Magdalena Höcherl

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