Rettungsdienst steht auf tönernen Füßen

- Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Funktionsfähigkeit des Rettungsdienstes im Landkreis steht weiter auf der Kippe. Wie Hans Eberl, der Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands, gestern in der Jahres-Pressekonferenz in Bad Tölz (siehe auch Seite 12) berichtete, ist der Streit um das so genannte „Trust-Gutachten“ nun in der nächsten Runde.

von joachim braun <P>Die Studie sah wie berichtet vor, den bisher in Tölz stationierten zweiten Rettungswagen nur noch tagsüber zu betreiben und in Lenggries zu stationieren. Der bisher nur tagsüber betriebene dritte Rettungswagen in Wolfratshausen soll ganz stillgelegt werden. <P>&#8222;Das bedeutet&#8220;, so Eberl, &#8222;dass in beiden Bereichen pro Jahr etwa 150 Menschenleben gefährdet sind, dann nämlich, wenn zum Beispiel in Tölz zwei Notrufe gleichzeitig eingehen, wir aber nur einem Betroffenen helfen können.&#8220; Der Rettungszweckverband, dem die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau angehören, teilt die Bedenken des BRK uneingeschränkt. Die Kostenträger, also die Krankenkassen, finden das &#8222;Trust-Gutachten&#8220; gut, weil es den Rettungsdienst deutlich billiger macht. <P>Die erste Runde in dem Streit, als eine Schlichtungsstelle entschied, endete im Sinne der Krankenkassen. &#8222;Das ganze Verfahren war eine Farce&#8220;, sagt Eberl. Die nächste Runde &#8211; jetzt hat der Rettungszweckverband Widerspruch eingelegt &#8211; geht wohl auch daneben, denn in dem Schlichtungsausschuss sitzen auch die Trust-Gutachter. Erst danach kann der Streit vor einem ordentlichen Gericht verhandelt werden. Erfahrungsgemäß, so Eberl, sei mit einer Verfahrensdauer von zwei bis fünf Jahren zu rechnen. Bis dahin läuft der Rettungsdienst uneingeschränkt weiter, und die Kassen müssen zahlen. Was Eberl ärgert, ist nicht nur, dass der derzeitige Aufwand vor fünf Jahren von den (gleichen) Trust-Gutachtern festgelegt wurde, sondern dass hier auf &#8222;Teufel komm raus gespart&#8220; wird und Menschenleben offenbar nichts zählten. Auf politischem Wege sei nichts zu machen, wie das Standard-Antwortschreiben des Stimmkreisabgeordneten Edmund Stoiber gezeigt habe. Eberl: &#8222;Wie das hier läuft, ist echt bedenklich.&#8220; <P>

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