Richtiges Streiten will gelernt sein

- Landkreisweites Projekt zur Mediation: Erfolgreiche Bilanz

VON FRANZISKA NAU Bad Tölz-Wolfratshausen - Lernen, Konflikte verbal zu lösen und nicht gleich zuzuschlagen, sondern Kompromisse zu finden - all das gehört zu den Aufgaben der Streitschlichter (Mediatoren). Den Rahmen für ihre Ausbildung bietet im Landkreis ein Projekt, an dem sich sieben Hauptschulen beteiligen. Nach rund zwei Jahren zogen die Initiatoren eine durchwegs positive Bilanz und informierten über den augenblicklichen Stand des Projektes.

Rund 14 Lehrer aus dem Landkreis haben inzwischen bei Hella Berger vom Schulpsychologischen Dienst die Ausbildung zum Mediator durchlaufen. Auch die entscheidenden Schritte, die Installierung des Konzepts an den Schulen und die Ausbildung der Schüler zu Streitschlichtern, sind abgeschlossen. "Mittlerweile wenden sich die Schüler bei Streitereien von selbst an die Mediatoren. So hat sich eine regelrechte Konfliktkultur an den Schulen entwickelt", erklärt Helgard van Hüllen, Mitglied im Bundesvorstand des Weißen Rings. "Gerade im Zuge der Gewaltproblematik verzeichnen wir bei den Schülern einen enormen Zugewinn an Sozialkompetenz", bestätigt auch Berger. An allen Schulen sei das Klima dadurch merklich besser geworden.

Doch was bewegt Schüler dazu, sich ehrenamtlich für ein derart zeitaufwendiges und nervenaufreibendes Projekt zu engagieren? "Ideell springt viel für sie heraus: Etwa die Stärkung des Selbstbewusstseins oder der Teamfähigkeit", erläutert Birgit Reuter von der Volksschule Wolfratshausen-Waldram. Gerade auch die Förderung der sprachlichen Kompetenz sei ein optimales Training für spätere Bewerbungen. "Außerdem wird dieses Engagement im Zeugnis vermerkt", hebt Eva Hörmann von der Karl-Lederer-Hauptschule in Geretsried hervor. Ein Vermerk, der von den zukünftigen Lehrherren gerne gesehen werde. Auch zwischen betreuendem Lehrer und Mediator habe sich "dadurch eine Art Partnerschaft entwickelt", so Berger. Nach der erfolgreichen Mediatorenausbildung der Schüler werden nun bereits ihre Nachfolger ausgebildet. Auch ist geplant, das Projekt noch zu vertiefen und auf andere Schulen auszuweiten. Außerdem wird erwägt, am Lernfest in Benediktbeuern einen ersten Austausch aller Streitschlichter zu organisieren.

Finanziert wird das Projekt vom Weißen Ring und von der Fachhochschule Benediktbeuern wissenschaftlich begleitet.

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