Rinder sollen weiter grasen

Wolfratshausen - In den Isarauen grasen Rinder. Auf diese Weise soll die artenreiche Auenlandschaft erhalten werden. Jetzt hofft der Isartalverein, dass das dreijährige Projekt verlängert wird.

Hin und wieder tönt ein langgezogenes „Muuuh“ durch die Isarauen an der Pupplinger Au. Zwischen dem Ickinger Wehr und dem Gasthof Aujäger weiden heuer zum dritten Mal in Folge Murnau-Werdenfelser Rinder. Sie fressen unter anderem das Rohrpfeifengras, das dort sehr schnell wächst. Weil sich sonst über die Wintermonate eine hohe Filzschicht auf dem Auenboden bildet, könnten andere Pflanzenarten nicht mehr gedeihen. 29 Kühe und ein Stier von Landwirt Manfred Schmid aus Fletzen (Gemeinde Bad Heilbrunn) sorgen auf 47 Hektar Fläche dafür, dass auch sensible Pflanzenarten wachsen und der Schneeheide-Kiefernwald verjüngt wird.

Betreut wird das Weideprojekt von Markus Henning vom Maschinenring Wolfratshausen. Laut dem Experten zeigt die Beweidung erste Erfolge. „Die lichtbedürftigen Keimlinge werden nicht mehr so stark unterdrückt.“ Vermehrt kämen Blumen wie die Ästige Graslilie, die Wiesenflockenblume, verschiedene Enzianarten und Orchideen wie der Frauenschuh vor. „An offenen Stellen zeigen sich außerdem Kiefernkeimlinge“, so Henning. Weil die Bäume auf dem kargen Boden extrem langsam wachsen, könne man aber noch nicht von einer Verjüngung des Waldes sprechen. „Die Bäume wachsen hier etwa einen Meter in fünf Jahren“, rechnet Henning vor. „In etwa sechs Jahren sind die Erfolge aber definitiv messbar.“

Ob es das Weideprojekt dann noch gibt, steht noch nicht fest. Das Grundstück gehört zum Großteil dem Freistaat Bayern, Teilbereiche besitzen die Landeshauptstadt München und Privatleute. 2010 wurde die Maßnahme für drei Jahre genehmigt. Im Oktober reicht der Isartalverein laut Hennig den Antrag auf Verlängerung beim Bayerischen Naturschutzfonds ein. Der finanziert das Projekt zu 85 Prozent. Der Bezirk Oberbayern und der Isartalverein beteiligen sich ebenfalls. Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen trägt die Kosten für die Umzäunung.

„Ich hoffe, dass es weitergeht“, sagt Markus Henning. Denn nicht nur die Flora profitiere, sondern auch die Rinder: Die Murnau-Werdenfelser, früher im Oberland weit verbreitet, sind heute vom Aussterben bedroht. Sie werden nicht so schwer wie das weitverbreitete Fleckvieh und sind daher nicht sehr profitabel. Ihr Fleisch hingegen ist qualitativ deutlich hochwertiger. Außerdem sind sie laut Henning „genügsam und widerstandsfähig“. (dor)

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