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Die von der Deutschen Bahn bevorzugte und von den Wolfratshausern verhasste Schrankenlösung an der Sauerlacher Straße wird vielleicht durch eine bessere Variante ersetzt. Das ist das Ergebnis eines Runden Tisches, zu dem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Mittwochabend in die Landeshauptstadt eingeladen hatte.

S7-Verlängerung

Runder Tisch: „Gordischen Knoten gelockert“

Wolfratshausen - Die Bahn muss die eingleisige Tieferlegung der Gleise an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen prüfen und durchrechnen. Das ist das Ergebnis des Runden Tisches zur S7-Verlängerung nach Geretsried. Sollte diese Variante, die der Wolfratshauser Hans Gärtner ins Spiel gebracht hatte, gebaut werden, wollen Freistaat, Landkreis und die beiden Städte sie gemeinsam finanzieren.

Mittwoch, 18 Uhr, ein Besprechungsraum im Bayerischen Innenministerium in München. Minister Joachim Herrmann nimmt die Gäste in Empfang. Die Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber und Florian Streibl sind da, Vertreter von Bahn und Oberster Baubehörde, Landrat Josef Niedermaier, sein Vize Werner Weindl, die Bürgermeister Helmut Forster (Wolfratshausen) und Cornelia Irmer (Geretsried), deren Stellvertreter Peter Plößl und Gerhard Meinl sowie Wolfratshausens Polizeichef Werner Resenberger. Insgesamt diskutierten 21 Personen rund zweieinhalb Stunden lang bei Kaltgetränken und belegten Broten, wie die S 7 nach Geretsried so verlängert werden könnte, dass beide Städte davon profitieren. Sprich: dass die vor allem den Wolfratshausern lästige Schrankenlösung an der Sauerlacher Straße wegfällt. Alle Beteiligten betonten am Tag danach, dass es ein konstruktives Gespräch mit einem gut vorbereiteten Minister war, der von Anfang an klar machte, dass ihm sehr an einer anderen Lösung gelegen sei.

Wie Joachim Herrmann gestern per Pressemitteilung verkündete, wurde ein erster Schritt in diese Richtung getan. „Eine Tieferlegung der Bahngleise unter die Sauerlacher Straße bis zur Königsdorfer Straße scheint zielführend“, schreibt Herrmann. Weil das sehr teuer sei, müssten sich im Fall der Fälle die Städte finanziell beteiligen. „Dazu haben sie sich prinzipiell bereit erklärt.“ Auch der Landkreis und – für alle, die am Runden Tisch saßen, ein ganz wichtiges Signal – der Freistaat wollen sich an den Kosten beteiligen. Letzterer in „nicht unerheblichem Maße“, wie Landrat Niedermaier aus dem Mund des Ministers gehört haben will.

Da die Bahn eine solche eingleisige Tieferlegung bisher nicht ins Kalkül gezogen hatte, so Herrmann, „wurden die Planer mit entsprechenden Untersuchungen einschließlich einer Kostenschätzung beauftragt“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Bitte dazu haben Forster und Plößl geäußert. Das Industriegleis soll nach wie vor oberirdisch verlaufen. Wenn das Ergebnis der Prüfung vorliegt – die Rede ist von etwa zwei Monaten, wird es eine zweite Gesprächsrunde geben. „Dann haben alle Beteiligten die Möglichkeit, über die Finanzierung der Mehrkosten zu entscheiden.“ Zwar sei es noch zu früh, über konkrete Zahlen zu reden, sagten einige Teilnehmer. Groben Schätzungen zufolge soll es aber um einen Betrag zwischen 25 und 35 Millionen Euro gehen. Einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen des Abends hat laut Niedermaier Wolfratshausens Polizeichef Werner Resenberger geleistet. Dieser habe, kurz gesagt, eindrucksvoll und präzise erläutert, welche Verkehrsprobleme mit der Schrankenlösung auf die Stadt zukommen. Fazit Niedermaier: „Das war wirklich ein klasse Auftritt.“

Vom Tisch ist derweil der zweite Teil des so genannten „Gärtner-Plans“. Der Wolfratshauser wollte die Trasse südlich der Sauerlacher Straße gut drei Meter über Geländeniveau führen. Weil großer Widerstand in der Bevölkerung befürchtet wird, wurde diese Idee ad acta gelegt. Unabhängig davon attestierte Bahn-Planer Konrad Daxenberger Gärtner offenbar eine hervorragende Arbeit. „Hut ab“, soll er laut Niedermaier gesagt haben. Die Pläne, die zum Teil auf Ideen des Münchner Architekturbüros Vieregg/Rössler basieren, seien sehr detailliert und grundsätzlich umsetzbar.

Bei der Bahn nahm man die Entwicklung – so zumindest der Eindruck der Gäste aus Wolfratshausen und Geretsried – zwar nicht begeistert, aber sachlich zur Kenntnis. Die Frage, warum sich der Konzern bislang nicht mit einer eingleisigen Tieferlegung beschäftigt habe, beantwortete ein Sprecher mit Verweis auf die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU). Man habe diese Variante sehr wohl im Auge gehabt. Es sei aber von Anfang an klar gewesen, dass sie zu teuer wäre. Wenn sich Geretsried, Wolfratshausen, der Landkreis und der Freistaat auf eine gemeinsame Finanzierung einigen könnten, sei das ein anderer Fall. „Da geht es nicht um Bundesmittel und die NKU, sondern um einen Sonderwunsch.“ Und dieser könne grundsätzlich erfüllt werden.

„Sehr zufrieden“ zeigte sich Wolfratshausens Rathauschef Helmut Forster mit dem Gespräch. „Es kam mehr heraus als ich dachte“, stellte Niedermaier fest. „Wir haben den Gordischen Knoten gelockert“, sagte Gerhard Meinl. Für die Geretsrieder sei wichtig gewesen, dass das Industrigleis nicht in Frage gestellt wurde. Dass man unter Umständen mehr Geld in die Hand nehmen muss und der Bau sich verzögert – sei’s drum. „Ein Jahr mehr oder weniger ist jetzt auch schon egal.“ Wolfratshausen habe mit seinem Bürgerentscheid klar gemacht, dass man alle erdenklichen Wege gegen die Verlängerung mit Schranke beschreiten werde. Meinl: „Ich möchte nicht wissen, wie viel Zeit das kostet.“

„Es ist deutlich mehr rausgekommen, als ich mir erwartet hatte“, urteilt Peter Plößl. Wolfratshausens Vize-Bürgermeister ist überzeugt davon, „dass wir ein gutes Stück näher an eine bessere Lösung gekommen sind“. Mit Blick auf die finanzielle Beteiligung von Wolfratshausen und Geretsried sowie des Landkreises stellt Plößl fest: Das aktuelle Zinsniveau versetze die Kommunen in eine „komfortable Lage“. Sprich: Sich eventuell ein paar Millionen Euro zu leihen, bringe keinen Beteiligten an den Bettelstab. (fla)

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