Gestalteten ein abwechslungsreiches Programm zum Gedenken an Ernst Wiechert: Klaus Weigelt (Ernst-Wiechert-Gesellschaft) und Sybille Krafft (Historischer Verein Wolfratshausen). Foto: sh

Die Sache mit dem Goldfischteich

Wolfratshausen/Waldram - Weil die Werke des Autors Ernst Wiechert nicht unumstritten sind, hatten sich die Mitglieder des Historischen Vereins Wolfratshausen lange darum gedrückt, sich dem Dichter zu nähern. Jetzt - anlässlich seines 125. Geburtstages - wagte man es.

Die Vorsitzende des Historischen Vereins, Sybille Krafft, begann den Abend in der Aula des Kollegs St. Matthias mit einem Geständnis: „Einige finden Wiecherts Werke langweilig und schwülstig, andere werten sie als stilistisch wertvoll und sprachlich gut. Deswegen haben wir ihn immer wieder vertagt.“ Erst als die Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft (IEWG) bei Bürgermeister Helmut Forster angefragt hatte, ob anlässlich des besonderen Geburtstages des einstigen Wolfratshauser Bürgers etwas in der Flößerstadt stattfinden könne, wollte man den Dichter nicht länger ignorieren. Und so wurde unter dem Titel „Der Dichter und die Nazis“ ein abwechslungsreiches Programm gestaltet. Gezeigt wurden viele Bilder aus dem Leben Wiecherts, umrahmt mit Kurzvorträgen zu seinem Leben und Werk. Der ehemalige Lehrer Edgar Frank und die Journalistin Sonja Gibis gestalteten eine szenische Lesung. Zudem war ein Überraschungsgast eingeladen worden.

Das war Elisabeth Eggendorfer aus Icking. Die Mutter der heute 79-Jährigen hatte Wiechert, der von 1936 bis 1948 am Münsinger Berg auf dem Gagerthof gelebt hatte, immer wieder Abschriften seiner Texte erstellt. „Mit der Lupe hat sie versucht, seine Schrift zu entziffern. Er hat so klein geschrieben wie eine Ameise“, sagte Eggendorfer, die mit manch einer humorvollen Anekdote die rund hundert Zuhörer bestens unterhielt. Was sie für einen Eindruck von dem Dichter gehabt habe, wollte Krafft von der Zeitzeugin wissen. „Er war ein abgehobener Mensch“, sagte die 79-Jährige und gestand, ein „gestörtes Verhältnis“ zu Wiechert gehabt zu haben. Der Grund dafür lag unter anderem in einem Satz, den der Dichter einst geschrieben hatte. Darin ging es um Soldaten, die in den Krieg zogen und denen er keine Träne nachweinte. „Das habe ich ihm nie verziehen, denn mein Vater war Soldat und ich Soldatenkind.“ Eine ihrer schönen Erinnerungen an den Dichter basiert auf einer Erzählung ihrer Mutter. So soll Wiechert einst meditierend um den Goldfischteich in seinem Garten gelaufen - und irgendwann reingefallen sein.

(njd)

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