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„Hey Yvonne, du wuide Kua“: Leadsängerin Heidi Gerhard und ihre Mitmusiker nehmen musikalisch kein Blatt vor den Mund.

Sakralpop aus Erding

Wolfratshausen - Provokant, kritisch, ehrlich: Die „Gnadenkapelle“ hätte bei ihrem Auftritt im D’Amato mehr Publikum verdient. Dennoch war die Stimmung großartig.

Auch das zweite Konzert der neuen Reihe „Bavaria Vista Club“ im D’Amato war ein musikalischer Leckerbissen. Zum ersten Mal überhaupt kam dafür die „Gnadenkapelle“ aus Erding ins Oberland. In ihrer Heimatregion hat sich die provokante Bayernrockband längst einen guten Namen gemacht für ehrlichen Sound und herb-kritische Texte über alles, „was zum Himmel stinkt“. Im Oberland wird sich die Band noch öfters blicken lassen müssen, denn die Erdinger hätten mehr Beachtung vom Publikum bekommen müssen. Doch auch im kleinen Rahmen war die Stimmung im D’Amato großartig.

Für die speziellen Liedtexte ist Bandleader, Gitarrist und Songwriter Valentin Dasch zuständig. Zu Regierungszeiten des amerikanischen Präsidenten Bush habe er die „Gnadenkapelle“ 2006 gegründet, „weil mich dessen politisches Handeln so aufgeregt hat und ich laut sagen wollte, was mir nicht passt“. Und das geht seiner Meinung nach am besten mit Musik. Im Fall der „Gnadenkapelle“ mit eingängigem „Sakralpop“ – einer Mixtur aus Rock, Pop, Punk und Latin. Übrigens sei der Bandname „Gnadenkapelle“ kein Glaubensbekenntnis, sondern beziehe sich lediglich auf die gleichnamige Kapelle in Altötting.

Apropos Wallfahrten: Pilgern tun die Erdinger Musiker auch – von Bühne zu Bühne – und predigen tun sie dort auch. Etwa vom „dauerhaften Flughafen-Milliardengrab“ auf der brandneuen Single „Berlin, Berlin“, vom „Gedankeneingreifkommando, die nach den Rechten“ sehen, und von gut betuchten „Super Männa auf der Steuerflucht“. Aktuell ist ihr neuer, strammer Punkrock-Rhythmus „Fürchtet Euch, jetzt kimmt da Russ“.

Leadsängerin Heidi Gerhard, Bo Baumann (Bass), Norbert Klutke (Gitarre) und Schlagzeuger Max Eder nehmen musikalisch grundsätzlich kein Blatt vor den Mund. Auch nicht, wenn’s um die „German Fuckers“ geht, die sich die Liebe in Thailand erkaufen, oder über den „Happy Deppi im Dialekti“. Für den Hit „Hey Yvonne, du wuide Kua“, den die Band 2011 der entlaufenen Kuh Yvonne gewidmet hat, mussten die Fans aber bis zur Zugabe warten. 

von Andrea Weber

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