SPD schert bei Schranke aus

Geretsried - Seite an Seite ringen Geretsried und Wolfratshausen um die S-Bahn-Verlängerung. Einmütig hatte es stets geheißen: Eine Schrankenlösung kommt nicht in Frage. Doch mit dieser Einigkeit ist jetzt Schluss.

Nach dem niederschmetternden NKU-Ergebnis – für die Tunnellösung steht der Faktor 0,6 – stören nun Misstöne die bisherige Harmonie. Wie berichtet sagte der Geretsrieder SPD-Ortsvorsitzende Wolfgang Werner am Sonntag, man müsse „offen für jede Variante“ sein. Für Werner ist es unrealistisch, den Faktor noch über die Eins hieven zu können. Bevor die S-Bahn gar nicht kommt, müsse man die Kröte Schrankenlösung schlucken.

Der Vorstoß der Genossen stößt auf Irritation und Ablehnung. „Wir bleiben bei unserem Standpunkt“, sagt CSU-Fraktionsvorsitzender Volker Reeh, „es gibt nur eine gemeinschaftliche, eine nachbarschaftliche Lösung.“ Gäbe es in der Schranken-Frage einen „geistigen Umschwung“ in der Flößerstadt, dann sei das zwar von Vorteil. „Aber ich kann Wolfratshausen verstehen, dass sie nicht mit der Schranke leben können und wollen.“ Ohne die Zustimmung aus Wolfratshausen „geht es nicht“. Wenn überhaupt, dann lohne es sich eher, erneut über eine Tieferlegung der Sauerlacher Straße nachzudenken. Denn auch Reeh ist bewusst: „Das mit dem Tunnel wird wahrscheinlich schwierig.“ Für die Misstöne aus den Reihen der Geretsrieder Genossen hat er wenig übrig: „In wie weit man diesen Ortsvorsitzenden ernst nehmen kann ...“, sagt er und verstummt. Auch die Freien Wähler wollen der SPD „nicht hinterherlaufen“, stellt Fraktionschef Robert Lug fest. „Ich bleibe so lange beim Tunnel, bis mir jemand klar nachweist, dass die Schranke kein Problem ist“, meint Lug, wissend, wie unwahrscheinlich das ist. Er warnt vor dem Ruf nach der günstigeren Schrankenlösung, „sonst denken sich die Beteiligten, sie müssen sich nicht mehr so sehr anstrengen, um zu sparen“.

Sich nicht auf die Diskussion einlassen will Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei). „Ich kommentiere keine sonntäglichen Stammtischgespräche einer Partei“, so Irmer. Aus ihrer Sicht habe sich nichts verändert: „Ich verweise weiterhin auf unsere Aussagen an Wirtschaftsminister Martin Zeil und auf unsere gemeinsame Erklärung im Sommer des vergangenen Jahres.“ Diese Stellungnahmen sind eindeutig: Bei der S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried kommt nur eine Tunnellösung in Frage. (tom)

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