Schildbürgerstreich: Drei Stunden Fahrzeit zur Schule

- Neue Berufsschul-Pläne: Ein Protestmarsch zu Stoiber ?

VON CHRISTIANE OLDACH Bad Tölz-Wolfratshausen - Im Streit um die Verlagerung von Berufsschul-Bereichen von Bad Tölz nach Miesbach machen jetzt die betroffenen Schüler mobil. Sowohl die angehenden Schreiner als auch die Bank-Azubis wollen den Umzug nicht hinnehmen. Sie planen eine Unterschriftenaktion und denken über einen Protestmarsch zur Staatskanzlei nach.

Wie berichtet sollen zwischen den Berufsschulen Bad Tölz und Miesbach die einzelnen Lehrberufe neu verteilt werden, sodass so genannte Kompetenzzentren entstehen. Die Bank- und Schreinerlehrlinge aus dem gesamten Landkreis sollen deshalb in Miesbach unterrichtet werden.

Das stößt den Schülern sauer auf. "Das ist ein Schildbürgerstreich", sagt Klaus Abeltshauser, Sprecher der Tölzer Schülermitverwaltung (SMV) und Azubi bei der Sparkasse in Eurasburg. Abeltshauser nennt das Beispiel eines Schülers aus Jachenau, der für eine Fahrt nach Miesbach mit öffentlichen Verkehrsmitteln rund drei Stunden einfache Fahrt einkalkulieren muss. Das Gleiche gelte für Azubis aus Münsing und Ammerland. "Wer morgens so lange unterwegs ist, kann wohl kaum noch die nötige Energie für den Unterricht aufbringen", meint der SMV-Sprecher.

Auch die Kosten spielen für die Schüler eine ganz erhebliche Rolle. Rund 200 Euro, so hat Abeltshauser ausgerechnet, müssten für den öffentlichen Nahverkehr durchschnittlich aufgebracht werden. "Bei einem Gehalt zwischen 300 und 500 Euro ist das nicht zumutbar", urteilt der junge Mann.

Bliebe noch die Fahrt mit dem Auto - für die Lehrlinge ist das jedoch keine wirkliche Alternative. "Die Zeit der Ausbildung überschneidet sich häufig mit dem 18. Geburtstag", so der Azubi. Jüngere führen bei Älteren mit. Die SMV befürchtet deshalb bei voll besetzten Fahrzeugen nach Miesbach eine erhöhte Unfallgefahr. "Gerade im Winter und am frühen Morgen ist das nicht ganz ungefährlich", sagt Abeltshauser.

Vor allem die Tatsache, dass die 95 Banklehrlinge aus dem Tölzer Land den 58 Auszubildenden aus dem Miesbacher Raum angeschlossen werden sollen, ärgert die Schüler. Schon Landkreis-Kämmerer Heinz Karg hatte in der vergangenen Woche im Kreistag vorgerechnet, dass pro Schüler fast 1420 Euro von Tölz nach Miesbach fließen, umgekehrt sind es gerade einmal 750 Euro. "Da drängt sich mir der Verdacht auf, dass wir das neue Schulgebäude in Miesbach mitfinanzieren sollen", vermutet Abeltshauser.

Als Protest wollen die Schüler jetzt nicht nur Unterschriften sammeln, sondern sie denken auch an eine Demo vor der Staatskanzlei. "Wir wollen zeigen, dass wir uns nicht herumschubsen lassen", sagt Abeltshauser. Viel Hoffnung machen sich die Schüler allerdings nicht: "Es wird nicht ganz leicht sein, jemanden zu finden, der nicht nur an sich selbst denkt."

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