Die Schulbank drücken statt auf dem Rasen bolzen

- Bedroht das G 8 die Musikschulen und Sportvereine ?

VON KERSTIN FRANKE Bad-Tölz-Wolfratshausen - Schule, Sport, Musik: Viele Gymnasiasten haben einen dicht beschriebenen Terminkalender. "Mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums werden sie unter noch größeren Zeitdruck geraten", befürchten besorgte Eltern. Haben die Gymnasiasten wirklich künftig keine Möglichkeiten, außerschulisch aktiv zu sein?

"Durch den Nachmittagsunterricht kommt eine zusätzliche Belastung auf die Schüler zu", räumt Hans-Georg Mühlbauer, Leiter des Geretsrieder Gymnasiums, ein. Zumindest die Jüngeren würden aber weiterhin Zeit und Gelegenheit ("laut Kultusministerium wird das Budget für den Wahlunterricht nicht angetastet") dafür haben, sich wie gewohnt außerschulisch zu engagieren. Der neue Plan für die fünften Klassen sehe zum Beispiel lediglich eine Zusatzstunde pro Woche vor. "Problematischer wird es für die Mittel- und Oberstufler", urteilt Mühlbauer. Sie müssten in einer Woche an mindestens zwei Nachmittagen in der Schule bleiben und demzufolge Prioritäten setzen: "Arbeite ich an einer Supermarktkasse oder nutze ich ein Wahlkursangebot?"

Die Jugendlichen sollen "Schule als Beruf sehen" und ohnehin nicht nebenher jobben, meint der Direktor des Ickinger Gymnasiums, Dr. Winfried Steflbauer. Für Hobbys werde dem, der für das Gymnasium geeignet ist, auch weiterhin genügend Zeit bleiben.

Manfred Waltl, Pastoralreferent in der Geretsrieder Pfarrgemeinde Maria Hilf, hat Zweifel: "Wir haben jetzt schon Probleme, wenn wir einen Termin für die Vorbereitung des Jugendgottesdienstes finden wollen", sagt er. "Ich glaube zwar nicht, dass sich unsere Jugendgruppe jetzt ganz auflösen wird. Wahrscheinlich werden sich die Mitglieder aber seltener treffen."

Zuversichtlicher schauen die Geschäftsführerin der Geretsrieder Musikschule, Ingrid Obser, und der Leiter der Wolfratshauser Musikschule, Manfred Heller, in die Zukunft: "Wer ein Instrument lernen will, der findet die Zeit dazu", sind sich die beiden einig. Sicherlich müsse man innerhalb der Musikschulen umdenken und umorganisieren, damit die Jugendlichen weiterhin Stunden nehmen können. In den nächsten Monaten werde man daher verschiedene Möglichkeiten überdenken. Beispielsweise Samstagsunterricht oder Musikunterricht direkt in Gymnasien oder Ganztagsschulen.

Jugendleiter ist optimistisch

Auch zum Training der Sportvereine werden die Mitglieder weiterhin kommen, prognostiziert der Fußball-Jugendleiter des SV Eurasburg, Gerhard Danner. Wenngleich die Sportler, die auf dem Land wohnen, ein zusätzliches Problem haben: "Wenn sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, die nur alle zwei Stunden fahren, geht ihnen schon viel Zeit verloren."

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