Schule verkommt zur "reinen Paukanstalt"

- Podiumsdiskussion zum Thema G 8

VON SEBASTIAN BONNEMEIER Geretsried - Adolf Präbst war nicht zu beneiden: Bei einer Podiumsdiskussion zum G 8 am Donnerstagabend im Gymnasium Geretsried hatte der Ministerialrat die undankbare Aufgabe, vor wütenden Lehrern und besorgten Eltern für die Verkürzung des Gymnasiums auf acht Jahre werben. Zu viele Wochenstunden, die ungeklärte Mittagsbetreuung und die Kürzungen im Lehrplan waren die Hauptkritikpunkte des Publikums.

Die Fronten waren klar: Der Vertreter des Kultusministeriums und eine Hand voll Eltern waren für das achtjährige Gymnasium. Die anderen Podiumsteilnehmer, Hans Haas (Landeselternvertretung), Erich Sonnemann (Bayerischer Philologenverband) und Lukas Hellbrügge (Landesschülervertretung) sowie die große Mehrheit der gut 300 Zuhörer in der Aula lehnten die Einführung als "übereilt" ab. Dazwischen bemühte sich Moderator Carl-Christian Eick, Redaktionsleiter des Geretsrieder Merkur/Isar-Loisachboten, die Wogen zu glätten.

Adolf Präbst argumentierte, angesichts der Pisa-Studie biete das G 8 durch "Konzentration auf die Kernelemente der Bildung" erhebliche Chancen und die Möglichkeit, die Schüler für Universität und Wirtschaft fit zu machen. Buh-Rufe und Gelächter erntete er bei seiner Erklärung, warum das G 8 bereits zum nächsten Schuljahr eingeführt werde: "Nur zwei Bundesländer tendieren noch nicht zu einem achtjährigen Gymnasium - tun wir den bayerischen Schülern etwas Gutes, wenn wir uns dagegen verschließen?"

"Konzeptionslos" und "bildungsfeindlich"

Erich Sonnemann bezeichnete das G 8 mit seiner Reduzierung um 940 Unterrichtsstunden als "konzeptionslos, schülerfeindlich, bildungsfeindlich und undemokratisch". Die von Präpst als "wesentliche Verbesserung" angeführten Intensivierungsstunden zum Wiederholen und Üben in halber Klassengröße seien "das größte Wind-Ei überhaupt". Lukas Hellbrügge bemängelte, das G 8 lasse mit seinen bis zu 37 Wochenstunden kaum mehr Raum für Freizeitaktivitäten. Die Schule verkomme so "zur reinen Paukanstalt". Hans Haas erwartete von einem bayerischen Abiturienten mehr als das von Präpst angesprochene Kern-Wissen: "Wir Eltern haben einen hohen Anspruch an die Schule."

Dem Publikum brannten viele Fragen unter den Nägeln: Wie kann man bei Fremdsprachen am Stoff kürzen? Was passiert in der Übergangsphase mit Durchfallern? Wie wird für die Mittagsbetreuung gesorgt? Präbsts Antworten fielen den meisten zu dünn aus: "Diese Probleme gibt es teilweise schon beim jetzt reformierten neunjährigen Gymnasium. Wir werden eine Lösung finden."

Ab April sollen erste Entwürfe der Lehrpläne für die Jahrgangsstufen fünf bis sieben zur Diskussion ins Internet gestellt werden. Präbst: "Anregungen nehmen wir gerne entgegen."

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