Schulterschluss aller Fraktionen

- Nur Wirtensohn und Karassakalidis (CSU) stimmen dagegen

Geretsried - Der Geretsrieder Stadtrat demonstriert Geschlossenheit: Bis auf zwei Ausnahmen - Franz Wirtensohn und Evangelos Karassakalidis (beide CSU) - erklärten am Samstag alle anwesenden Stadträte, der Forderung des Bürgerbegehrens nicht nachzukommen. Das heißt, sie werden das Bebauungsplanverfahren zur Unterbringung einer Suchthilfeeinrichtung für Drogenabhängige in der ehemaligen Verwaltungsschule nicht einstellen. Damit kommt es automatisch zum Bürgerentscheid.

Überraschend - auch für seine eigene Fraktion - war der Meinungsumschwung von SPD-Stadtrat Herbert Mieseler. Im Dezember 2003 hatte er als einziger Stadtrat gegen die Suchthilfeeinrichtung gestimmt. Am Samstag stellte er sich auf die Seite der Befürworter. Dazu gehören auch Vize-Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) und SPD-Stadtrat Ulrich Schlösser (SPD), die für die gestrige Sitzung entschuldigt waren.

Ebenfalls nicht anwesend waren Norbert Junius und Volker Reeh (beide CSU). Junius hatte im Vorfeld erklärt, dass er wegen der Größe der geplanten Einrichtung in Geretsried inzwischen zu einer Ablehnung tendiere, sich aber noch keine abschließende Meinung gebildet habe. Auch Volker Reeh galt als unentschlossen. Er ließ am Samstag aber eine schriftliche Erklärung verteilen, in der er sich eindeutig für die Suchthilfeeinrichtung ausspricht.

"Durch eigene Besuche in verschiedenen Häusern für Suchtkranke bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass von den Patienten in diesen Einrichtungen keine Gefahr ausgeht", schreibt Reeh in seinem Brief. Zu dem Argument, dass in der Einrichtung in Geretsried nur auswärtige Patienten behandelt würden, erklärt der CSU-Stadtrat: Aus Gründen der Anonymität würden Geretsrieder Suchtkranke in die Einrichtungen nach Holzkirchen, Miesbach, Herrsching, Starnberg oder München gehen. Insofern sei es eine "kommunale Solidarität", wenn sich Suchtkranke aus dem Umland in Geretsried anonym behandeln lassen können.

Weiter schreibt der CSU-Stadtrat: "Ich akzeptiere die Bedenken der direkten Nachbarn sowie der Bevölkerung, komme aber nach eingehender Betrachtung für mich zu dem Schluss, dass die geplante Einrichtung für Suchtkranke keine unmittelbare Gefahr darstellt, und Geretsried auch diesen Akt der Integration meistern wird." Ob die Größe der Einrichtung und die Zusammenlegung von unterschiedlichen Krankheitsbildern zum Wohl der Patienten seien, könne er nicht beurteilen. Am Ende schreibt Reeh: "Ich akzeptiere keine Argumente, die finanzieller Art sind, wenn diese ausschließlich von der Angst um Kinder und der Gesundheit der Bevölkerung geschürt werden." Aus diesen Gründen werde er, sollte der Bürgerentscheid abgelehnt werden, der Nutzungsänderung zustimmen.sas

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