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Zeitzeugen-Film: Die Geretsrieder Gymniasten – hier bei der Benefizveranstaltung im Geltinger Hinterhalt – stellten ihr Projekt vor.

Sechs Geretsrieder und Penzberg

Waldram – Der vor zwei Jahren gegründete Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald wächst kontinuierlich. Heuer zählt er rund 260 Mitglieder, im Vorjahr waren es noch 213.

Wie die Vorsitzende Dr. Sybille Krafft bei der Jahresversammlung am Dienstagabend im Gasthaus Zur Post in Waldram berichtete, stammen 34 Prozent der Mitglieder aus Waldram, 23 aus Wolfratshausen, sechs aus Geretsried und 37 aus anderen Gemeinden. Als erste Kommune sei kürzlich die Stadt Penzberg beigetreten.

Sybille Kraffts Ziel ist es, bis Jahresende die 300er-Marke geknackt zu haben. Man wolle Politikern und potenziellen Förderern zeigen, wie viele Menschen hinter dem Anliegen stehen, das ehemalige Badehaus am Kolpingplatz als Dokumentations- und Begegnungsstätte zu erhalten.

Wie berichtet ist für nächste Woche ein Gespräch mit Vertretern der katholischen Kirche, der Eigentümerin des Gebäudes, geplant, in dem die Übertragung an den Verein notarreif gemacht werden soll. Erst wenn dem Verein das Haus gehört, kann er offiziell Fördergelder für sein Projekt beantragen. Die Mitgliederzahl, so Krafft, sei auch wichtig, weil bei Förderanträgen immer danach gefragt werde. Genügend Mitglieder, die regelmäßig den Jahresbeitrag von 25 Euro bezahlten, würden dazu beitragen, dass der Verein die Unterhaltskosten stemmen könne.

Laut Schatzmeister Harald Stebner beläuft sich das Vereinsvermögen auf rund 29 000 Euro. 4700 Euro stammten aus dem Erlös der Benefizveranstaltung „81 Jahre Bücherverbrennung“ im Mai im Hinterhalt. Neben Geld sammeln die Bürger fürs Badehaus auch Exponate für ihr künftiges kleines Museum. Kürzlich überließ ihnen der Geretsrieder Galerist und Kulturförderer Albrecht Widmann eine Sammlung wertvoller Bilder von Karl Maldek. Bei der Jahresversammlung legte Widmann noch einen limitierten Druck von Maldeks Kreuzweg drauf.

Im zweiten Teil des Abends interviewte die Journalistin Sybille Krafft die Zeitzeugen Martin Walter und Boris Gerczikow. Der Jude Gerczikow, der mit seiner Frau extra aus Frankfurt angereist war, lebte als Bub mit seinen Eltern im Lager Föhrenwald. Walters Eltern betrieben ab 1948 einen Kramerladen vor den Toren des Lagers. Über die Mütter kamen die beiden Kinder zusammen. Es sollte sich eine lebenslange Verbindung aus dieser Bubenfreundschaft entwickeln. „Unser unterschiedlicher Glaube spielte dabei keine Rolle“, erzählte Walter.

Von einer überwiegend schönen Kindheit im DP-Lager berichten auch die ehemaligen Bewohner, die Geretsrieder Gymnasiasten für ihr Zeitzeugen-Filmprojekt befragt haben. Der Film, der unter Leitung von Geschichtslehrerin und Vereins-Schriftführerin Eva Greif entstand, wurde am Dienstag ebenfalls gezeigt. Krafft sagte, sie wünsche sich, dass der Funke der Geschichtsbegeisterung vom Geretsrieder Gymnasium auf andere Schulen überspringen möge.

Von Tanja Lühr

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