Schullandheim Seeheim

Security in Rufbereitschaft

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Schullandheim der Stadt München in Münsing leben 17 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Immer vor Ort ist ein Security-Dienst. Das ist in ähnlichen Einrichtungen des Landkreises nicht der Fall – doch auch der investiert in Sicherheit.

Schock am Montagabend: Im Schullandheim Seeheim (Gemeinde Münsing) ist ein Streit zwischen mehreren Flüchtlingen eskaliert. Drei Jugendliche aus Eritrea und Somalia gingen laut Polizei mit Besteckmessern auf vier Sicherheitsmänner und einen Sozialpädagogen los, die den Konflikt schlichten wollten. Daraufhin schleuderten die Jugendlichen ein Fahrrad durch ein Fenster und traten eine Toilettentür ein. Die Polizei beziffert den Schaden auf 3000 Euro. Erst mehrere Polizeistreifen konnten die Lage beruhigen. Die Täter wurden festgenommen und nach München verlegt.

Dr. Michael Foerst: Der Jurist ist Leiter der Abteilung Soziale Angelegenheiten im Tölzer Landratsamt.

Im Oktober hat die Stadt München in ihrem Schullandheim am Starnberger See eine so genannte Clearingstelle für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge eingerichtet. „Dass dort Sicherheitspersonal und Sozialpädagogen arbeiten ist Standard“, erklärt Frank Boos von der Pressestelle des Sozialamts in München. Die Landeshauptstadt ist Eigentümer des Schullandheims, das nur vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft dient. „Die Belegung endet am 30. April“, berichtet Boos. Der Bedarf an Unterkünften sei zwar immer noch groß. Ab Mai möchte das Referat für Bildung und Sport im Münchner Rathaus das Schullandheim dennoch wieder als solches nutzen.

Um ähnliche Situationen wie die am Montag zu vermeiden, darum kümmert sich im Landkreis ein privater Sicherheitsdienst. Anwohner – aber vor allem die Asylsuchenden selbst – können dort „24 Stunden, sieben Tage die Woche anrufen“, erklärt Dr. Michael Foerst, Leiter der Abteilung Soziale Angelegenheiten im Tölzer Landratsamt. „Und das funktioniert auch.“ Erst am Dienstag habe es wieder eines von regelmäßigen Treffen mit dem Betreiber der Sicherheitsfirma, den Asylbewerber-Betreuern und der Polizei gegeben. Tenor: Der Sicherheitsdienst laufe gut und ruhig. „Die Polizei hat das bestätigt“, sagt Foerst.

Seit einem Jahr arbeitet die Security-Firma im Auftrag des Landkreises. Laut Foerst ist das keine Selbstverständlichkeit: „Der Landkreis leistet das aus seinen eigenen Mitteln.“ Der Grund: Der Freistaat sei der Auffassung, die Sicherheit der Asylbewerber ist Aufgabe der Polizei. Deshalb stelle die Regierung den Landratsämtern dafür keine finanziellen Mittel zur Verfügung. Im Tölzer Landratsamt will man das so nicht hinnehmen. „Wir kämpfen dafür, dass uns die Kosten ersetzt werden.“ Wie gut die Aussichten sind, sei ungewiss.

Welche Sicherheitsfirma der Kreis beauftragt hat, wollte Foerst nicht preisgeben. Lediglich, dass es sich um ein „erfahrenes und gutes Unternehmen“ handelt. Der Sicherheitsservice funktioniert wie folgt: In allen Asylbewerberunterkünften, zentral sowie dezentral, hängt die Notrufnummer aus. Das Personal sei rund um die Uhr in Rufbereitschaft und decke den ganzen Landkreis ab. Bis zu 40 Securitys könnten mobilisiert werden. Die meisten Anrufe gingen jedoch wegen Kleinigkeiten ein: Heizungsausfälle, Feueralarme. In der Asylbewerberunterkunft am Robert-Schumann-Weg in Geretsried spiele zum Beispiel der Feueralarm hin und wieder verrückt. Gelegentlich gebe es Schlichtungen. Etwas Ernstes sei bisher nicht passiert.  Alessandro Capasso

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