Unterhält Coco Schumann (87) seine Zuschauer sonst mit fröhlichen Swing-Nummern berichtete der Jazz-Musiker in Waldram von seinen furchtbaren Erlebnissen im Konzentrationslager während der Nazi-Zeit. foto: hans lippert

Sein Freiheitssymbol ist eine Gitarre

Waldram - „Allein durch die Musik und den Swing habe ich den Holocaust überlebt“: Das sagt der Jazz-Musiker Coco Schumann. In Waldram sprach er über seine erschütternden Erlebnisse im KZ.

„Das einzige, was im KZ zählte, war das eigene Leben“, fasst der Jazz-Musiker Coco Schumann seine Zeit in Nazi-Gefangenschaft zusammen. Vor 130 gespannt lauschenden Zuhörern spricht der 87-jährige Holocaust-Überlebende im Waldramer Pfarrheim St. Josef der Arbeiter über sein bewegtes Leben, während hinter ihm auf einer Leinwand Bilder aus der Kindheit in schwarz-weiß zu sehen sind.

Mit Föhrenwald, dem heutigen Waldram, verbindet Heinz Schumann, von allen Coco genannt, eine Menge. Im April 1945 wurde der Musiker, dessen Mutter Jüdin war, von SS-Wachmännern von Kaufering, einem Außenlager des KZ Dachau, auf den Todesmarsch bis nach Wolfratshausen getrieben. Dort befreiten Amerikaner die Gefangenen der Nazis Anfang April 1945. „Nur mit Schutzengeln habe ich diese Tortur überlebt“, resümiert Schumann.

Auf dem Marsch an Typhus erkrankt, brachten ihn die Alliierten in das Lazarett nach Föhrenwald. „Mein erster Einkauf in Freiheit war eine Gitarre aus dem Wolfratshauser Musikgeschäft“, berichtet der Vollblut-Musiker und Gitarrenliebhaber mit einem Augenzwinkern. Dem Publikum ringt er mit diesen Details so immer wieder trotz des ernsten Themas ein Lachen ab. „Haben Sie Waldram heute wiedererkannt?“, will Sybille Kraft, Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen, die das Gespräch mit Schumann führt, wissen. „Nein. Als 21-Jähriger wollte ich damals nur in die Heimat. Föhrenwald habe ich nur als Lazarett und als Ort der Befreiung in Erinnerung.“

Über seine furchtbaren Erlebnisse als Häftling hat der Musiker, der nach dem Krieg mit Helmut Zacharias zu musizieren begann, lange nicht gesprochen. „Meine Zuhörer wären beschämt gewesen, dass sie Deutsche sind.“ Noch immer steht Schumann häufig mit seiner Gitarre auf der Bühne: „Die meisten Zuhörer klatschen bei unseren Swing-Stücken immer noch auf dem ersten und dritten Schlag. Das ist aber der Marsch-Rhythmus. Swing ist auf dem zweiten und vierten Schlag betont.“ Mit einem lausbübischen Grinsen im Gesicht zeigt er Verständnis: „Durch jahrelange Marschmusik haben es die Deutschen nie anders gelernt.“ (dor)

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