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Der Club hat nun einen Bart: Andreas Hölzl (vorne li.) und seine Mitstreiter dürfen sich wieder rasieren.

Serie: Der 1200-Jahre-Bart

Der Bart kann ab

„Lustig war’s“, da sind sich Andreas Hölzl und seine Mitstreiter vom Steingauer Bartclub einig. Nach dreieinhalb Monaten ungehemmten Wachstums freuen sich die meisten aber, dass sie den Pelz im Gesicht jetzt wieder abrasieren dürfen.

Dietramszell –  „Beim Essen ist es schwierig“, sagt Martin Thalhammer und lacht: „Hinterher hat man immer die Krümel im Bart hängen.“ Eigentlich wollte er seinen rotbrauen Vollbart nach dem offiziellen Ende des Bartclubs weiterhin wachsen lassen. Inzwischen nervt ihn die Gesichtsbehaarung doch mehr als anfangs gedacht. Er überlegt, das Angebot der Friseursalons Kotz in Dietramszell und Gröbmaier in Jasberg anzunehmen: Die rasieren die Clubmitglieder zum Sonderpreis und legen die seit Faschingsbeginn gezüchtete Haarpracht auf die Waage. Für den, der am meisten zusammenbringt, hat Bartclub-Organisator Hölzl einen Preis ausgelobt. Was das sein wird, steht noch nicht fest: „Wahrscheinlich ein Gutschein fürs Wirtshaus“, plant er.

Mit Bart „irgendwie weiser“

Einige Clubmitglieder brauchen ihren Bart allerdings noch für das Jubiläumstheater, das der Baiernrainer Trachtenverein zu Ehren des 1200-jährigen Bestehens der Ortsteile Steingau und Erlach ab 24. März aufführt. Sepp Schlickenrieder (46) spielt den Heiligen St. Florian. „Der hat nur einen kleinen Spitzbart. Da kann ich meinen auch ein bisschen stutzen.“ Nach der letzten Aufführung kommt er ganz weg, da ist auch Schlickenrieder sich sicher – auch wenn er sich, wie er sagt, mit Bart „irgendwie weiser“ fühlt: „Schließlich hatten alle Propheten einen Bart.“ Trotzdem: Der Pflegeaufwand ist auch ihm auf Dauer etwas zu hoch.

Bußgelder bei Zuwiderhandlungen

Nach dem offiziellen Fototermin, zu dem rund 60 der insgesamt 74 Mitglieder erschienen sind, gab es Weißwürste, Wiener und Helles vom Fass. Finanziert wird das Abschlussessen von den Einnahmen des Bartvereins durch den Getränkeverkauf beim Schlittenrennen Ende Januar – und die Bußgelder, die die Bartträger bei Zuwiderhandlungen gegen die Vereinssatzung zahlen mussten. Zwei Euro kostete es beispielsweise, wenn ein Mitglied ohne das Erkennungszeichen, einen Bartkamm in Form eines Klappmessers, erwischt wurde. „Den haben sich einige auf dem Flug nach Berlin zur Grünen Woche von der Polizei abnehmen lassen“, erzählt Hölzl lachend.

Hölz: „Das war Rekord“

Auch wenn die meisten froh sind, dass sie sich nun endlich wieder rasieren dürfen: Die zweiwöchentlichen, immer gut besuchten „Sitzungen“ im Steingauer Wirtshaus werden einige vermissen. „Das war für viele die ideale Fortsetzung vom Burschenverein“, meint Thalhammer. Dort endet die Mitgliedschaft mit der Heirat – im Bartclub ist das kein Hinderungsgrund. „Vielleicht machen wir im November wieder weiter“, stellt Hölzl in Aussicht. Schließlich haben Bartclubs in Steingau Tradition: Schon Mitte des 19. Jahrhunderts trafen sich hier regelmäßig Männer, die sich den Bart wachsen ließen – das bezeugen Fotos. Dass er noch einmal so viele begeistern kann wie im Jubiläumsjahr 2017, glaubt Hölzl allerdings nicht: „Das war Rekord.“

Lesen Sie auch zum Thema:

Teil 1: Eine haarige Geschichte

Teil 2: Das Gesichtshaar sprießt wie noch nie

Teil 3: Der perfekte Kälteschutz

Teil 4: Dreimal pro Woche eine Bartkur

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