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Fertigung im Bunker: In den Nachkriegsjahren wurden in den Empe-Werken zunächst Türen und Fenster hergestellt. München war zerbombt und musste wieder aufgebaut werden. In fünf Jahren wuchs die Belegschaft auf 70 Mitarbeiter an. 

Serie: Geretsrieder Wirtschaftswunder

Emil Pelz: Vom Schreiner zum Autozulieferer

Vor 70 Jahren kamen die ersten Heimatvertriebenen in Geretsried an. Aus dem Nichts mussten sie sich eine neue Existenz aufbauen. In unserer Serie „Geretsrieder Wirtschaftswunder“ stellen wir Unternehmer vor, die den Grundstein für den heutigen Wirtschaftsstandort legten. Heute: Emil Pelz aus dem Sudetenland.

Geretsried – 1906 gründete Emil Pelz in Niemes im Sudetenland eine Schreinerei. Er nannte sie nach den Anfangsbuchstaben seines Namens: Empe Werke Holzindustrie. 30 Jahre später übernahm sein Sohn Ernst den Betrieb – unter schwierigsten wirtschaftlichen Bedingungen. Zwischen 1939 und 1945 beschäftigte er zwischen 200 und 400 Mitarbeiter. Zudem musste er weitere Holzwerke beaufsichtigen. Der Zweite Weltkrieg hatte große Produktionslöcher in diese Werke gerissen, die Versorgung musste aber gesichert sein.

Empe-Werke als eine der ersten Firmen enteignet

Namensgeber: Emil Pelz gründete den Betrieb 1906 im Sudetenland.

Während des Krieges stellten die Empe-Werke im Auftrag der Wehrmacht Spinde, Munitionskisten und Verpackungsmaterial her. Aufgrund dieser Aktivitäten gehörte die Firma zu den ersten Betrieben, die enteignet wurden. Damit stand auch die Familie Pelz ganz oben auf der Liste derjenigen, die von den Tschechen vertrieben wurden. Ernst Pelz landete zunächst in Anhalt und somit in sowjetisch besetztem Gebiet – in das eigentlich niemand wollte. Im Sommer 1946 kam die Familie nach Wolfratshausen. Für etwa ein Jahr lebte sie im Haderbräu. Pelz fuhr mit der Eisenbahn nach Geretsried, wo eine rege Bautätigkeit einsetzte. Fast täglich gab es Kontrollen durch die Amerikaner – mit Schrankensperre und Nachtverbot. Im gleichen Jahr begann der Unternehmer mit einigen Mitarbeitern aus der alten Heimat die Empe-Werke wieder aufzubauen.

München zerbombt – Türen und Fenster von Empe gefragt

Die Stadt München war zerbombt. Da waren Türen und Fenster gefragt, die bei Empe produziert wurden. Nach fünf Jahren war die Belegschaft bereits auf 70 Mitarbeiter angewachsen. Bald wurde die Produktion zu umständlich und zu teuer, da die Hallen zu weit voneinander entfernt waren. Deshalb zog der Betrieb um. In nächster Nähe gab es Hallen, die sich miteinander verbinden ließen. 1953 wurde die Produktion allmählich auf Radio- und Fernsehgehäuse umgestellt. Kenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiet der Holzverformung halfen und schufen Wettbewerbsvorteile. Die Firma wuchs weiter.

1960er-Jahre: Empe-Werke steigen ins Automobilgeschäft ein

Etwa zehn Jahre später stiegen die Empe-Werke ins Automobilgeschäft ein. Die Produktion wurde auf Verkleidungsteile für Fahrzeuge umgestellt. Die Firma lieferte beispielsweise Edelholzarmaturenbretter für den BMW V8 sowie Teile für das legendäre Rollermobil Isetta, den BMW 700 und für den VW-Bus. Später wurde die Produktpalette um Tür- und Seitenverkleidungen, Himmel, Hutablagen und vieles mehr ergänzt. Anfang der 1960er-Jahre reichte die Kapazität des Geretsrieder Stammwerkes nicht mehr aus. Ein Werk in Vorbach bei Bayreuth wurde aufgekauft und den Bedürfnissen angepasst.

1995: 2000 Mitarbeiter in sieben Werken in Europa

Lieferung per Lastwagen: Für die Produktion von Fenstern und Türen wurde jede Menge Holz benötigt.

Zu Beginn der 1970er-Jahre kam die Tochtergesellschaft Todomold in Spanien dazu. 1990 gab es in Deutschland Werke in Geretsried, Vorbach, Kulmbach, Nordhalben und Oebisfelde, außerdem Tochter- und Vertriebsgesellschaften in England, Spanien, Italien, Jugoslawien, Frankreich und Tschechien und Joint-Venture-Abkommen mit Unternehmen in Übersee. 1995 waren bei Empe etwa 2000 Mitarbeiter in sieben Werken in Europa beschäftigt. Im Geretsrieder Stammwerk standen 750 Menschen in Lohn und Brot.

Toyota-Tochter schloss Geretsrieder Werk 2015

Später spezialisierten sich die Empe-Werke auf die Innenverkleidung von Fahrzeugen, darunter den BMW V8.

Ernst Pelz blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1983 alleiniger Gesellschafter. Danach übernahm sein Sohn Peter Pelz in der dritten Generation das Familienunternehmen. Er führte es gemeinsam mit seinem Schwager Heinz Stickling weiter. Nach seinem Ausscheiden 1995 erlosch der Firmenname Empe. Es folgten mehrere Besitzerwechsel: Aus Empe wurde Findlay (1997 bis 2004), Polytec (bis 2011) und Boshoku. Die Toyota-Tochter schloss das Geretsrieder Werk im Jahr 2015.

Quelle

In der Reihe „Geretsrieder Hefte“ hat der Arbeitskreis Historisches Geretsried im Jahr 2010 ein eigenes Heft über die Industriepioniere herausgebracht. Mit freundlicher Unterstützung der Autoren Werner Sebb und Friedrich Schumacher veröffentlichen wir einzelne Kapitel aus der inzwischen vergriffenen Publikation.

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