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„Immer schön unten bleiben“: Auf dem städtischen Bauhof mussten die Nachwuchskräfte einen brennenden Container löschen.

Großübung der Jugendfeuerwehr

Sieben Einsätze in 24 Stunden und eine Explosion

Geretsried – Im Dauereinsatz war am Samstag die Freiwillige Feuerwehr Geretsried. Die Jugendgruppe hielt eine 24-Stunden-Übung ab. Am Ende waren die Nachwuchskräfte um einige Erfahrungen reicher – und ziemlich erschöpft.

Es ist Samstagabend. Der städtische Bauhof liegt im Dunkeln. Plötzlich blitzt in einer abgelegenen Ecke ein Feuerzeug auf. Kurz darauf steht ein Container mit aufgeschichtetem Holz lichterloh in Flammen. „Dann lasst uns mal die Kollegen alarmieren“, meint einer der vermeintlichen Brandstifter und greift zum Funkgerät. Das Feuer ist Bestandteil der 24-Stunden-Übung der Jugendgruppe, der Brandherd ein spezieller Übungscontainer.

Minuten später treffen die ersten Fahrzeuge ein, die Einsatzkräfte springen heraus. Was dann passiert, damit haben sie nicht gerechnet. „Drei, zwei, eins“, zählt Feuerwehrmann Georg Schmid herunter und drückt auf den Auslöser. Ein ohrenbetäubender Knall lässt die jungen Kameraden zusammenzucken. Meterhoch schlagen die Flammen in den Himmel. „Man muss ihnen schließlich etwas bieten“, sagt Pyrotechniker Schmid und rollt das Verbindungskabel auf. Gruppenführer Thomas Kinkal gibt dem ersten Löschtrupp Anweisungen. „Geht nicht zu nah ran. Man weiß ja nie, was noch drinnen ist“, mahnt er, „Und immer schön unten bleiben.“

Mit Argusaugen wachen die erfahrenen Feuerwehrmänner über jeden Handgriff der Jungen und geben den einen oder anderen Tipp. „Auch wenn man in der Theorie super gut ist, in der Praxis ist alles anders“, sagt Michael Werner. „Da reagiert man nicht immer so, wie es im Lehrbuch steht.“ Werner ist Zugführer, Jugendwart, Ausbilder und verantwortlich für den 24-Stunden-Dienst.

Mittlerweile ist der Brand auf dem Bauhof gelöscht. Die Jugendlichen stehen zusammen mit den Gruppenführern Thomas Kinkal, Daniel Heynig und Holger Beigel in einer großen Traube um den Container. „Jetzt sucht Ihr mit der Wärmebildkamera nach eventuell noch vorhandenen Glutnestern. Findet Ihr welche, löscht diese gleich ab. Das macht Ihr so lange, bis wirklich keine mehr zu finden sind“, erklärt Kinkal das weitere Vorgehen und zieht mit dem Einreißhaken ein paar Holzbretter auseinander.

Jugendfeuerwehr trainiert bei 24-Stunden-Übung

„Sinn der Übungen ist auch, an Grenzen zu führen“, sagt Jugendwart Michael Werner. „Wie fühlt es sich an, den ganzen Tag zu arbeiten, und nachts zu einem Einsatz raus zu müssen? Wie ist es, im Team zu arbeiten? Schließlich muss man sich aufeinander verlassen können.“ Sieben verschiedene Szenarien haben die Feuerwehrleute im Laufe von zwei Monaten für den Nachwuchs vorbereitet – vom Autobrand über die Beseitigung einer Ölspur bis hin zur Drehleiterrettung einer schwergewichtigen Person aus dem dritten Stock. Werner: „Bekannte, Freunde, Verwandte und auch Firmen wurden gefragt, ob sie uns mit ihrer Wohnung oder ihrem Gelände aushelfen können.“

Bei so viel Aufwand ist klar, warum solche 24-Stunden-Übungen nur alle drei bis vier Jahre stattfinden. Trotzdem sollte sie jeder in seiner Ausbildung einmal mitmachen, sagt Werner. Von den 13 Mitgliedern der Jugendgruppe nahmen diesmal neun aktiv daran teil. Die anderen vier wurden aufgrund ihres Alters als Helfer beim Aufbau eingesetzt. „Erst ab 16 Jahren dürfen Jugendliche bei Einsätzen mitfahren“, erklärt Werner. Und wie war es für die jungen Kameraden? Der Ausbilder lacht: „Die waren am nächsten Tag nach Dienstschluss ziemlich müde und kaputt. Aber ich denke, es hat ihnen gefallen.“  Sabine Hermsdorf

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