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Dietmar Schach (52), Ex-Geschäftsführer der Fleischfirma Sieber in Geretsried, beteuerte stets seine Unschuld.

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Prozess gegen Sieber-Geschäftsführer: Das Urteil ist gefallen

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Im Prozess gegen den Geschäftsführer der Großmetzgerei Sieber, Dietmar Schach, fiel am Mittwoch das Urteil. Schach beteuert im Lebensmittel-Skandal immer wieder seine Unschuld.

  • Der Prozess ging es darum, ob Dietmar Schach, Geschäftsführer der inzwischen insolventen Großmetzgerei Sieber, vorsätzlich mit Listerien belastete Produkte in den Handel gebracht und die Gesundheit seiner Konsumenten gefährdet hat. 
  • Fakt ist: Im März 2016 war ein mit sogenannten Listerien verseuchtes Wammerl der Geretsrieder Firma zufällig in einem Nürnberger Rewe entdeckt worden.
  • Der Richter verurteilte den Geschäftsführer am Mittwoch zu einer Geldstrafe von  60 Tagessätzen á 15 Euro.
  • Bereits 2013 sollen Debreziner einen über dem Grenzwert liegenden Befall mit sogenannten Listerien gehabt haben, der Befund sei aber nicht an die Behörden gemeldet worden, hieß es im Prozess.
  • Hier lesen Sie eine Zusammenfassung des ersten Prozesstages

+++ Aktualisieren +++

+++ Der Geschäftsführer der Großmetzgerei Sieber ist zu einer Geldbuße von 60 Tagessätzen á 15 Euro verurteilt worden. 

Von einer vorsätzlichen Gefährdung geht der Richter jedoch nicht aus. In seinem Urteil wirft er Schach aber vor, dass er bei den Anstrengungen, die Problematik in den Griff zu kriegen, nachgelassen habe. „Dass Sie mit Vorsatz kontaminierte Lebensmittel in Umlauf bringen, für so verrückt halte ich sie nicht“, sagte er zum Angeklagten. 

Schach gilt nach dem Urteil nicht als vorbestraft, da die Tagessätze zu gering sind. Er zeigte sich nach dem Urteil erleichtert. Prozessbeobachtern und Freunden war aufgefallen, dass ihm der Prozess sehr nahe gegangen ist. Er war sehr blass und hatte stark abgenommen. 

Ob die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger Einspruch einlegen, ist noch offen. Das Zeitfenster dafür schließt sich in einer Woche. 

+++ Um 12 Uhr wird das Urteil im Fall des angeklagten Geschäftsführers von Sieber fallen. Der Staatsanwalt sagte in seinem Plädoyer vor der Urteilsverkündung: „Die Beweisaunahme hat alle Vorwürfe bestätigt, wie sie in der Anklageschrift stehen.“ Schach habe von der Listerien-Problematik gewusst und sie seinen Mitarbeitern und den Behörden gegenüber verborgen. Seiner Meinung nach gibt es keine andere Möglichkeit, als dass das beanstandete Wammerl im Betrieb verunreinigt worden sei. Er fordert eine Verschärfung des Strafmaßes von 150 Tagessätzen á 15 Euro auf 180 Tagessätze. 

Die Anwälte hingegen fordern einen Freispruch. In ihrem Plädoyer heißt es: „Herr schach hat alles getan, was man tun kann. Verbraucher können von Lebensmittelhändlern auch nichts Unmögliches erwarten. Die Produktion von Lebensmitteln ist riskant, der Verzehr ebenso.“ Bakterien gebe es immer und überall, fügten sie hinzu.

Zeugenaussagen belasten den Geschäftsführer

+++Im Prozess um bakterienverseuchte Wurst der insolventen Großmetzgerei Sieber wird am Mittwoch das Urteil erwartet. Vor dem Amtsgericht Wolfratshausen muss sich der Ex-Inhaber der seit elf Monaten geschlossenen Firma verantworten. Die Anklagebehörde wirft Dietmar Schach vor, mit sogenannten Listerien belastete Produkte vorsätzlich in den Handel gebracht zu haben.

Vor Gericht sagten am Morgen zwei Zeugen aus: Der Gutachter, der die Verunreinigung bei der Probe vom Wacholder-Wammerl von Sieber festgestellt hatte. Der Grenzwert für Listerien liegt normalerweise bei 100 koloniebildende Einheiten (KBE) pro Gramm. Gefunden wurden in der Probe 190.000. Doch damit nicht genug: Laut Gutachter wurden noch weitere Bakterien in der Probe gefunden, die allein hätten schon ausgereicht für einen Hygienebeanstandung. Auf Nachfrage der Anwälte, ob die Verunreinigung der Probe in seinem Labor hätte passieren können, antwortete der Gutachter, dass das auszuschließen sei. 

In dem Labor würde nur mit sterilem Besteck und auf sauberen und trockenen Flächen gearbeitet werden. Nach seiner Aussage muss die Verunreinigung bei der Großmetzgerei passiert sein. 

Der zweite Zeuge, der am Mittwoch aussagte, war Unternehmensberater für Qualitätsmanagement bei der Firma Sieber. Er gibt an keine Kenntnis von den Untersuchungsergebnissen gehabt zu haben. Der Staatsanwalt wirft dem Geschäftsführer Dietmar Schach vor, die Behörden und seine Mitarbeiter über das Gutachten in Unkenntnis gelassen zu haben. 

Prozess hat nichts mit Insolvenzverfahren zu tun

+++ Der Prozess hat nichts mit dem laufenden Insolvenzverfahren zu tun. Insolvenzverwalter Josef Hingerl hält das Produktionsverbot für rechtswidrig und will den Freistaat auf über zwölf Millionen Euro Schadenersatz verklagen.

+++ Eine Lebensmittelkontrolleurin berichtet, wie es 2016 dazu kam, dass der Listerien-Skandal bei Sieber in Geretsried aufgedeckt wurde. Durch puren Zufall sei sie bei einer Routine-Probe auf das Wacholder-Wammerl von Sieber bei einem Rewe in Nürnberg gestoßen. Sie habe es untersucht und dabei krasse Werte festgestellt. Zugelassen sind beim Fleisch demnach 100 koloniebildende Einheiten (KBE) pro Gramm, gefunden wurden 190.000.

Mitarbeiter: Unternehmen war „hygienisch top geführt“

+++ Der Qualitätssicherer von Sieber wurde ebenfalls in den Zeugenstand gerufen. Er machte dabei keine besonders gute Figur. Auf die Frage, wie ihm der Vorfall 2013 entgangen sein konnte, antwortete er: „Ich kann es mir nicht erklären.“

+++ Rund ein Dutzend ehemalige Mitarbeiter der insolventen Firma saßen als Zuhörer im Sitzungssaal. Einer von ihnen meinte in einer Pause, er habe noch nie in einem Unternehmen gearbeitet, „das hygienisch so top geführt war“.

+++ Überraschend stellte sich am ersten Verhandlungstag heraus, dass das Land Bayern seit Jahren stiller Teilhaber der Firma ist. Wegen deren Vorbildfunktion habe der Staat eine halbe Million Euro in die Großmetzgerei investiert, sagte Schachs Verteidiger Martin Hintermayer. „Das Geld ist durch die Insolvenz verloren, aber mein Mandant haftet persönlich dafür.“

Lebensmittelkontrolleur: Sieber war eigentlich „eine gute Firma“

+++ Vor Gericht ist die Rede von einem Schuldenberg von drei Millionen Euro, auf dem der mittlerweile arbeitssuchende Angeklagte Schach (52) sitzen soll. Schach war im Jahr 2000 in das Unternehmen eingestiegen und hatte es ein Jahr später nach der Pleite des Firmengründers als Alleingeschäftsführer übernommen.

+++ Weiterer Zeuge ist ein Lebensmittelkontrolleur des Landratsamtes. Er berichtet, dass Sieber „eigentlich eine gute Firma“ war, sauber. Viele Firmen hätten Probleme mit Listerien. Dramatisch wurde die Lage allerdings, als man einen Zusammenhang herstellte zwischen den belasteten Sieber-Produkten und Listeriose-Erkrankungen in ganz Südbayern 2012. Das habe den Handlungsdruck enorm erhöht.

+++ Wirtschaftlich sei es der Firma 2016 nicht gut gegangen. Der Prokurist wird zitiert mit „keine großen Gewinne, keine großen Verluste“. 

Ein interner Qualitätssicherer bei Sieber wusste nichts von dem Listerien-Fall 2013

+++ Ein Zeuge der Kripo belastet mit seiner Aussage den Angeklagten Schach: Ein interner Qualitätssicherer bei Sieber habe in seiner Aussage gegenüber der Polizei angegeben, nicht gewusst zu haben, dass die Wurstfirma bereits 2013 Probleme mit Listerien hatte, damals bei Debrezinern. Das zeugt nicht gerade von Transparenz.

+++ Zwei Anwälte könnten ein Indiz dafür sein, dass der Angeklagte Schach nicht selbst vor Gericht Stellung nimmt. Weit gefehlt: Der ehemalige Geschäftsführer äußert sich lange zu den Vorwürfen, er habe fahrlässig gesundheitsgefährdende Lebensmittel in Umlauf gebracht - und dies den Behörden nicht gemeldet „Qualitätsmanagement und -sicherung war mein Hauptanliegen“, sagte Schach. „Ich hätte es nie im Leben zugelassen, dass für Menschen gefährliche Produkte in den Verkehr kommen.“ Schach kritisierte zudem das Landratsamt für die sinngemäß unverhältnismäßige Maßnahme, den Betrieb sofort zu schließen. 

+++ Auf Antrag der Verteidigung müssen die Mitarbeiter des Landratsamtes, unter anderem Jurist Michael Foerst, und des LGL (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) den Gerichtssaal verlassen. Begründung: Sie kommen als Zeugen infrage. 

Mit versteinerter Miene lauscht der Ex-Sieber-Geschäftsführer der Verlesung der Anklageschrift

+++ Die Anklageschrift wird gegen 9.15 Uhr verlesen. Der ehemalige Geschäftsführer von Sieber setzt einen versteinerten Gesichtsausdruck auf. Er beteuerte stets seine Unschuld.

+++ Für uns vor Ort ist Volker Ufertinger vom Isar-Loisachboten. Er wird uns im Laufe des Tages Informationen zum Sieber-Prozess zukommen lassen. Ansonsten hält sich der Andrang von Medienvertretern in Grenzen.

+++ Um kurz vor 9 Uhr betritt der ehemalige Geschäftsführer von Sieber, Dietmar Schach, den Gerichtssaal im Amtsgericht von Wolfratshausen. Im Gepäck: seine Anwälte Dr. Martin Hintermayer und Andreas Meisternst. 

Dietmar Schach (Mitte) mit seinen Rechtsanwälten Andreas Meisterernst (l.) und Martin Hintermayer.

Rückschau: Das ist passiert

Der Ex-Geschäftsführer der insolventen und geschlossenen Großmetzgerei Sieber muss sich wegen Verstößen gegen das Lebensmittelrecht vor Gericht verantworten. Am Montag (9 Uhr) kommt es am Amtsgericht Wolfratshausen zum Prozess gegen Dietmar Schach. Der Unternehmer hatte einen Strafbefehl der Münchner Staatsanwaltschaft über 2250 Euro nicht akzeptiert und damit selbst für die mündliche Verhandlung vor Gericht gesorgt. Schach beteuerte stets seine Unschuld in dem Skandal um verseuchte Wurstwaren.

Die Anklagebehörde geht hingegen davon aus, dass der Firmenchef vorsätzlich mit gesundheitsgefährdenden Bakterien belastete Produkte in den Handel brachte. Im März 2016 war ein mit sogenannten Listerien verseuchtes Wammerl der Geretsrieder Firma entdeckt worden. Ende Mai wurde der Betrieb vom Landratsamt in Bad Tölz geschlossen. Der Strafprozess hat nichts mit dem laufenden Insolvenzverfahren zu tun.

Die Ansteckung mit Listerien ist für gesunde Erwachsene eher harmlos. Doch bei Ungeborenen, Babys, Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Listeriose genannte Krankheit tödlich enden.

Die Firma Sieber ist Geschichte: Im Juni vergangenen Jahres musste die Großmetzgerei an der Böhmerwaldstraße in Geretsried Insolvenz anmelden, Ende September wurden die letzten Mitarbeiter entlassen. Jetzt beginnt die juristische Aufarbeitung.

Wir sind vor Ort

Über den Fall Sieber berichtet der Isar-Loisachbote von Beginn an. Nachrichten aus der Region Wolfratshausen gibt es auch auf der Facebook-Seite

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