Assistent des Arztes am Unfallort ist Lukas von Stülpnagel als Staatlich geprüfter Rettungsassistent. Foto: hermsdorf

Sinnvolle Aufgabe in der Grauzone

Wolfratshausen - Wer den Notruf wählt, kann sich sicher sein: Hilfe ist rasch da. Doch egal, ob Feuerwehrmann, Polizist oder Wasserwachtler - hinter jedem Beruf und jeder ehrenamtlichen Tätigkeit stehen Menschen. Sie stellt der Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur 2012 in der Serie „Retter und Helfer“ vor. Folge 1: der Rettungsassistent.

Lukas von Stülpnagel aus Wolfratshausen ist einer von denen, die nach einem Notruf schnell vor Ort sind. Als Staatlich geprüfter Rettungsassistent ist der 23-Jährige laut Gesetzesdefinition „Assistent des Arztes“ und versucht, die Patienten bis zum Eintreffen eines Mediziners zu stabilisieren. „Unser Job ist neben der Behandlung am Unfallort sehr vielfältig“, erklärt er. „Unter anderem kümmern wir uns um Krankentransporte, so vom Altenheim ins Krankenhaus und zurück.“ Während einer Schicht, die zwölf Stunden dauert, reinigen die Helfer zudem alle Rettungswagen, warten medizinische Geräte und dokumentieren Einsätze.

Die Berufsausbildung beim Roten Kreuz begann Lukas von Stülpnagel noch vor seinen Abiturprüfungen im Jahr 2006. „Ich wollte etwas Sinnvolles machen“, sagt er. „Dafür habe ich neben Schule und Studium drei Jahre lang alle Kurse und Praktika in den Ferien und an den Wochenenden belegt.“ Obwohl Stülpnagel in München Elektro- und Medizintechnik studiert, übernimmt er pro Woche mindestens eine Schicht in der Flößerstadt.

Geld spielt bei diesen Jobs keine Rolle: Wie viele seiner Kollegen agiert der 23-Jährige als Ehrenamtlicher. Mehr als eine Aufwandsentschädigung bekommt er nicht, obwohl er die Kosten für die Ausbildung aus eigener Tasche finanziert hat. Dennoch möchte Stülpnagel die regelmäßigen Einsätze nicht missen: „Die Praxiserfahrung hilft, Gelerntes zu verinnerlichen und im Ernstfall routiniert und sicher zu agieren. Das wird auch im späteren Berufsleben sehr hilfreich sein.“ Überdies habe er viele freudige Ereignisse wie die Geburt eines Kindes im Rettungswagen miterlebt.

Auf seine Kollegen kann er sich damals wie heute „immer zu hundert Prozent verlassen". Seine Partner seien es auch, die ihm bei der Verarbeitung von tragischen Ereignissen helfen. Hin und wieder denkt Stülpnagel beispielsweise an einen schweren Autounfall mit mehreren Toten zurück. Damals kam er als einer der Ersten an den Unglücksort. „Spätestens da habe ich gelernt, dass ich nicht jedem helfen kann“, sagt er bedauernd.

Häufig seien die Einsätze aber weniger tragisch und die Patienten noch ansprechbar. Dann versuchen die Retter zu beruhigen. „Mit Erwachsenen kann man sich nett unterhalten, und Kinder faszinieren wir mit Teddybären und Blaulichtautos“, verrät der Wolfratshauser. Während seiner Schicht trägt er selbst immer einen positiven Gedanken im Hinterkopf: „Im Dienst sieht man ständig Kranke. Man darf deshalb nicht vergessen, dass es glücklicherweise auch viele Gesunde gibt.“

(dor)

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