Haben Tore in andere Welten geöffnet: Rufus Beck (re.) und Martin Wagner vom „Trio Tango Transit“. Foto: sabine hermsdorf

Sommernachtstraum und Bergwaldbühnen-Trauma

Wolfratshausen - Bislang war der Wolfratshauser Literatursommer eine verregnete Angelegenheit. Keine Veranstaltung fand auf der Bergwaldbühne statt. Seit Freitag scheint der Bann gebrochen.

Rufus Beck und das „Trio Tango Transit“ präsentierten ihren „Sommernachtstraum“ unter freiem Himmel.

Der 55-jährige Schauspieler Beck aus München ist mit Hund Subi und seiner Freundin, der Schauspielerin Jo Kern, angereist. Mit den drei Weltklassemusikern von „Trio Tango Transit“ sitzt Beck hinter der Bühne, das iPad in der Hand. Ob man kurz mal stören dürfte? „Nein“, sagt Beck, verzieht keine Miene und gibt die Frage, wie ihm denn die Bergwaldbühne gefalle, an Hanns Höhn (Kontrabass), Martin Wagner (Akkordeon) und Andreas Neubauer (Schlagzeug) weiter. Und die erzählen erstmal von ihrer nicht-bergigen Heimat Hessen und davon, dass sie den Bergwald-Berg mit ihrem Tour-Bus fast nicht hoch gekommen wären. „Ohne einheimische Hilfe hätten wir es nicht geschafft“, sagt Höhn.

Dann steigt Beck doch noch ins Gespräch ein und erzählt davon, wie man sich als Schauspieler fühlt, wenn man an einen Veranstaltungsort kommt „und 80 Prozent des Zuschauerraums sind gesperrt“, so wie auf der Bergwaldbühne. Irgendwie sei das schon so, als würde man als Schauspieler in der Carnegie Hall im Orchestergraben oder im Souffleurkasten spielen. Auf jeden Fall sind die Künstler froh, dass es an diesem Abend nicht regnet. Das nichts überdacht ist, finden sie konzeptlos. „Das ist, wie wenn du dir einen Ferrari kaufst, aber kein Geld mehr für die Reifen hast.“

Als die vier Profis dann auf der Bühne stehen und Shakespears „Sommernachtstraum“ nicht in der klassischen Variante präsentieren, sondern modern-aufgepeppt als leicht-luftiges Arrangement, öffnen sie Tore in andere Welten. Das „Trio Tango Transit“ ist weltklasse. Ganz viel Dynamik, Melancholie, Extase und Emotionalität liegt in ihrer energiegeladenen, zeitlosen Musik. Angelehnt ist sie an Felix Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik und entführt die rund 80 Zuschauer schwerelos in andere Sphären. Dort wartet Beck und geleitet einen in das mondbeglänzte Feenreich König Oberons.

(njd)

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