Selbst anpacken, und wenn’s nur der Graudleffe ist, wünscht sich Kulturreferent Ludwig Gollwitzer. Foto: Red

Spaß und Gaudi auf eigenen Deckel

Wolfratshausen - Kulturreferent Ludwig Gollwitzer wünscht sich von den Vereinen, „dass sie mehr Eigeninitiative zeigen statt nur auf finanzielle und logistische Unterstützung zu hoffen“.

Seit knapp zwei Jahren ist Ludwig „Wiggerl“ Gollwitzer als Kulturreferent des Stadtrates ein Vermittler zwischen Politik und Vereinen. Der BVW-Stadtrat besucht Veranstaltungen innerhalb und außerhalb des städtischen Tellerrandes und versucht dabei, „mit den Kulturschaffenden aus allen Sparten möglichst regen Kontakt zu halten“.

Eher vom Hörensagen als im persönlichen Gespräch vernimmt der Kulturreferent die Klagen, „dass sich Vereine finanziell oder ideell im Stich gelassen fühlen“. Passend zur Faschingszeit nennt Gollwitzer zwei Beispiele, die symptomatisch für das Verhalten von Vereinen sind. Ein Verein engagiert sich optimistisch und risikobereit, obwohl die Finanzlage eher klamm ist. Der andere Verein resigniert, „trotz voller Kassen“, wie der Kulturreferent vorrechnet.

Weil die gute Nachricht stets zuerst kommen soll, fängt Gollwitzer mit dem Positivbeispiel an: „Die Kolpingfamilie Wolfratshausen wagt es, die alte Tradition des Rosenmontagsballs in der Loisachhalle wieder aufleben zu lassen.“ Und das trotz „sicher nicht sehr gefüllter Kassen“, wie der Stadtrat resümiert. Er beglückwünsche die Kolpingfamilie zu ihrem „Mut und Idealismus“ und verspreche, den Rosenmontagsball auch zu besuchen.

Den Elan, den Gollwitzer bei der Kolpingfamilie begrüßt, vermisst er bei einer Gruppe, die sich Fasching und Frohsinn auf ihre Vereinsfahne geschrieben hat: die Narreninsel Wolfratshausen, die als Traditionsverein seit 50 Jahren den Fasching hochhält. „Dass die Narreninsel ihren traditionellen Krönungsball aus Kostengründen in Geretsried abhalten musste, halte ich schlichtweg für falsch“, erklärt der Stadtrat.

Zur Begründung führt Gollwitzer an, die Narreninsel betreibe seit Jahren im 14-tägigen Turnus „einen höchst lukrativen Flohmarkt“ im Gewerbegebiet. Er schätzt, dass die Jahreseinnahmen aus diesem Basar zwischen 15.000 und 30.000 Euro liegen, wenn nicht sogar mehr. Wenn die Hallenmiete von 1000 Euro angesichts dieser Einnahmen für den Verein zu viel wären, müsse er sich fragen, welche Ausgaben dieser Verein eigentlich habe. Das Vereinsziel, „die Stadt in der närrischen Zeit mit Leben und Gaudi zu füllen“, sei mit gerade mal zwei Veranstaltungen „nicht erfüllt“.

„Wo sind der Mut, das Engagement und der Idealismus, auch einmal in Eigenregie etwa den Graudleffe-Cup oder einen längst fälligen Faschingszug zu organisieren“, fragt Gollwitzer und schiebt ironisch hinterher, die Narreninsel sei wohl mit den Flohmärkten terminlich ausgelastet. Dass der Krönungsball aus Termingründen nicht in der Loisachhalle stattfinden konnte, lässt Gollwitzer nicht als Entschuldigung gelten: „Wenn man sich rechtzeitig bemüht und den Willen hat, in die Halle zu gehen, klappt das auch.“ (ee)

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