Spielball im Streit ums Sorgerecht

Wolfratshausen - Familienvater wollte seine Kinder gegen ihren Willen und mit Gewalt mitnehmen

Das Auto rast plötzlich los. Einen Augenblick später stoppt das Fahrzeug abrupt vor einer Garagenzufahrt. Ein Mann springt aus dem Wagen, reißt die Hintertür auf und ruft: „Kinder, steigt schnell ein.“ Als der Bub und das Mädchen, die eben noch in der Einfahrt standen, der Aufforderung nicht folgen, nimmt der Mann sie bei den Händen und zieht sie zum Auto.

Die Szene, die eine Zeugin am Donnerstag vor dem Amtsgericht schilderte, hätte aus einem Krimi im Vorabendprogramm stammen können, doch sie hat sich tatsächlich im Wolfratshauser Ortsteil Nantwein abgespielt – am Nachmittag des 23. Dezember 2008. „Wir erleben hier die Auswüchse eines familienrechtlichen Streits par excellence“, fasste Richter Helmut Berger später zusammen, „bei dem die Kinder die Leidtragenden sind – wie so oft. Und als krönendes Moment passiert es auch noch kurz vor Weihnachten.“ Weil der Fahrer des Wagens bei der Aktion die Mutter der Kinder sowie deren Schwester getreten und ins Gesicht geschlagen haben soll, musste er sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten.

Richter Berger verurteilte den Bamberger wegen vorsätzlicher Körperverletzung, zu einer Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro. „Die Kinder wollen nicht zu Ihnen, jedenfalls zu dieser Zeit nicht. Wenn sie hier die Kinder zum Spielball machen, muss ich an den Qualitäten des Vaters zweifeln“, gab der Richter selbigem noch einige Denkanstöße mit auf den Heimweg. „Und was ganz schwer wiegt, ist, dass das ganze vor den Kindern stattfindet. Die wissen gar nicht was los ist. Schrecklich.“ (rs)

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