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Bernhard Reisner: Der Vize-Vorsitzende stellte das neue Projekt des Historischen Vereins vor.

Stadt und Mitglieder wollen einen Neuanfang

Wolfratshausen - Bürgermeister Klaus Heilinglechner lobte in der Jahresversammlung des Historischen Vereins dessen Arbeit. Der Vize-Vorsitzende des Vereins, Bernhard Reisner, stellte in der Versammlung auch ein neues Projekt vor.

Eigentlich hatte Bürgermeister Klaus Heilinglechner bei der Jahresversammlung des Historischen Vereins betonen wollen, wie wichtig dieser für die Stadt ist. Als er aber kurz vor Schluss der Versammlung im Hollerhaus in Irschenhausen um sein Grußwort gebeten wurde, war sein Redemanuskript bereits veraltet. Da hatten die Mitglieder des Vereins – allen voran die Vorsitzende Dr. Sybille Krafft – bereits selbst die Bedeutung ihrer Arbeit mit viel Leidenschaft klar umrissen.

„Sie sind eine Kämpferin. Das haben sie in den vergangenen eineinhalb Stunden bewiesen“, sagte Heilinglechner anerkennend. Die Arbeit des Vereins könne die Stadt gar nicht genug schätzen. Allerdings könne er nach gerade mal 26 Tagen im Amt keine Versprechen abgeben. Dass die Stadt sich zum Badehaus bekenne, betonte er allerdings noch einmal explizit. Ebenso wie die Tatsache, dass die Abbruchgenehmigung für das alte Krankenhaus der Vergangenheit angehöre. Jetzt gelte es, das Areal samt dem Gebäude zu entwickeln. „Es gibt schon Interessenten, und man muss jetzt abwarten, wie die Entwicklung sein wird“, so der Rathauschef.

Krafft betonte, dass sich die Vereinsmitglieder über die spontane Wertschätzung ihrer Arbeit und auf einen Neuanfang bei der Kooperation mit der Stadt sehr freuen würden. „Wir bieten unsere Zusammenarbeit an, weil wir gerne mit der Stadt etwas erarbeiten möchten, nicht gegen sie.“ Dabei sei es wichtig, unterschiedliche Meinungen äußern zu können, ohne dass man sich auf persönlicher Ebene angegriffen fühle. Auch Heilinglechner bekannte sich darauf zu einem Neuanfang. „Ich hänge sehr an der Wolfratshauser Geschichte und habe ein offenes Ohr dafür.“

Eines der diesjährigen Hauptprojekte stellte Vize-Vorsitzender Bernhard Reisner vor: „Medizingeschichte im Isar- und Loisachtal“. Vor zwei Jahren hatte sich ein Arbeitskreis aus 13 Interessierten gebildet, der im November das zum Thema erarbeitete Buch präsentieren wird. Geplant ist die Präsentation für den 14. November in der Loisachhalle. Zeitzeugen werden zu Wort kommen, historische Bilder gezeigt. Eine Ärzteband wird spielen und ein Kinderchor Lieder über die Gesundheit singen.

Insgesamt 30 Beiträge werden in dem neuen Buch abgedruckt. Das Themenspektrum ist weit gefasst: Von den Pestepidemien des 30-jährigen Krieges über die Errungenschaften der modernen Medizin bis hin zur Arbeit von Hausärzten und Hebammen erwartet den Leser eine große Vielfalt, so Reisner. Im Mittelpunkt wird das Alte Krankenhaus an der Sauerlacher Straße stehen. „Ohne das Engagement des Historischen Vereins würde das Alte Krankenhaus nicht mehr stehen“, betonte Krafft in diesem Zusammenhang und stellte noch einmal klar, dass das Gebäude definitiv ein Denkmal ist. Für das normale Auge sei es vielleicht nicht unbedingt ein Schmuckstück, so die Vorsitzende weiter, doch das berechtige nicht dazu, es als „alten Kasten“ abzutun. Vertreter des Bayerischen Landesdenkmalrates hätten die „herausragende Denkmalqualität“ eindeutig bescheinigt. Und so bat Krafft noch einmal darum, das Gebäude nicht nur als Last zu sehen, sondern auch als Chance.

Wie das Alte Krankenhaus vor dem Abriss bewahrt werden konnte, haben Dr. Kaija Voss und Wolfgang Schäl in einem Aufsatz zusammen gefasst. Der ist vor kurzem in einer vom „Bund Heimat und Umwelt“ herausgegebenen Publikation erschienen, dem Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine in Deutschland.

von Nina Daebel

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