SPD-Paukenschlag: „Unerwartete Wendung“ - Esken verkündet „Kanzler-Wumms“- doch der Tonfall überrascht

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S7: Städte beteiligen sich an Tunnelbau

Wolfratshausen/Geretsried - Die Städte Wolfratshausen und Geretsried beteiligen sich im Zuge der geplanten S7-Verlängerung am Bau eines zusätzlichen Trogs/Tunnels. Entsprechende Beschlüsse fielen am Dienstag.

Die in Wolfratshausen verhasste Schrankenlösung im Zuge der geplanten Gleisverlängerung in die Nachbarstadt ist vom Tisch. Beide Kommunen sind bereit, sich ihren Anteil an dem von der Bahn vorgeschlagenen zusätzlichen Bauwerk brüderlich zu teilen. Jeweils 2,55 Millionen Euro müssten die Städte wie berichtet investieren (Preisstand von 2009).

In Geretsried fiel der historische Beschluss nach einer halben Stunde einstimmig, einige Stadträte waren ganz euphorisch. „Das ist die beste Investition, die die Stadt jemals gemacht hat“, meinte Robert Lug, Fraktionssprecher der Freien Wähler (FW). Grünen-Sprecher Volker Witte pflichtete ihm bei: „Wir haben jetzt die einmalige Chance, dieses Jahrhundertprojekt zu verwirklichen.“ Um das Vorhaben finanziell stemmen zu können, werde man den Haushalt entsprechend auslegen müssen, ergänzte CSU-Fraktionssprecher Volker Reeh. „Wir werden Sparvorschläge machen, um die Zinsbelastung gering zu halten.“ Vize-Bürgermeister Hans Hopfner (SPD) wollte in der Sitzung „einfach mal danke sagen“. Sein Dank richtete sich an Landrat Josef Niedermaier (FW) und die Kreisräte. Das Gremium hatte mit deutlicher Mehrheit dafür gestimmt, den Löwenanteil zur Tieferlegung der Gleise beizusteuern. Bürgermeister Michael Müller (CSU) lobte den starken Zusammenhalt im Stadtrat in dieser „wichtigen und richtungsweisenden Entscheidung“. Fünf Stadträte hatten sich für die Sitzung entschuldigt. Der Rathauschef: „Wären sie hier, würden sie dafür stimmen.“

Um 19.46 hoben auch der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner sowie 19 Stadträte ihre Hand. Nur Markus Höft, Josef Praller und Kathrin Gschwendtner (alle Bürgervereinigung/BVW) stimmten gegen eine finanzielle Beteiligung der Kommune am Bau eines Trogs/Tunnels. Warum, das hatten Höft und Praller zunächst in einem erweiterten Beschlussvorschlag erläutert: Das finanzielle Risiko sei ohne Deckelung zu groß. Höft plädierte dafür, ein „Sicherungsventil“ einzubauen. Denn nach seiner Hochrechnung könnte der Anteil für den Kreis und die beiden Städte beim Spatenstich für das Bauwerk im Bereich der Sauerlacher Straße bis zu 30 Millionen Euro betragen. Der Antrag der BVW sah demnach vor, die Kostenbeteiligung für die Flößerstadt auf 4,5 Millionen Euro zu beschränken. Sollte diese Summe beim Spatenstich nicht ausreichen, müssten alle Beteiligten neu verhandeln.

Eine Deckelung übersetzte Stadträtin Annette Heinloth (Grüne) als „klares Nein“ gegen das Gesamtprojekt. Sie könne nicht nachvollziehen, dass das in „langen, langen Sitzungen“ erzielte Verhandlungsergebnis plötzlich wieder in Frage gestellt werde. Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) stieß ins selbe Horn. Ihn beschleiche das Gefühl, dass da „etwas verhindert werden soll“, was „jahrelang diskutiert worden ist“. Schnaller appellierte an den Stadtrat, die „historische Chance“ zu nutzen - und nicht „um fünf vor Zwölf“ noch einmal nachzukarten.

CSU-Fraktionschef Günther Eibl zeigte Verständnis für die Forderung, dass finanzielle Engagement Wolfratshausens per Deckelung zu begrenzen. Aber „das Miteinander ist wichtig“, so Eibl mit Hinweis auf die Zusagen des Kreises und der Nachbarn in Geretsried. Um den Kompromiss „haben viele Leute lange gerungen“, eine „Deckel-Debatte“ komme zu spät. Ein entsprechendes Votum wäre „fahrlässig“ und „existenzgefährdend“ für die geplante Gleisverlängerung. Dass in zehn Jahren noch einmal neu verhandelt werden kann, glaubte auch Dr. Manfred Fleischer (CSU) nicht. „Wenn die Kugel erst mal aus dem Lauf ist...“. Eine Deckelungsbeschluss wäre in seinen Augen ein „Fuizl ohne Wert“.

Schließlich zog Praller den BVW-Antrag zurück. Die Stadt Wolfratshausen ist nun mit im Boot, stellt aber die Bedingung: Es muss durch den Baulastträger sichergestellt werden, dass eine Erschließung des Gleisdreiecks von der Karwendelstraße aus gewährleistet ist.

von Doris Schmid und Carl-Christian Eick

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