Sechs Monate auf Bewährung

Statt Rendezvous ein blutiges Handgemenge

Geretsried – Nachts heimlich bei der Geliebten durchs Fenster einzusteigen: Das hatte im Alpenraum einmal Tradition. Womöglich hatte sich der Geretsrieder (26) daran erinnert, als er sich entschloss, seine ehemalige Freundin zu besuchen.

Es war am Karfreitag dieses Jahres, als der junge Mann auf die Idee kam, bei seiner Ex aufzutauchen. Kurzerhand kletterte er im nicht mehr ganz nüchternen Zustand (die Polizei stellte später knapp 0,5 Promille Alkohol im seinem Blut fest) über den Balkon in die im ersten Stock gelegene Wohnung. Doch statt eines Rendezvous mit seiner Ex kam es zu einem Handgemenge mit seinem vermeintlichen Widersacher. Dafür stand der Geretsrieder nun vor Gericht. Die Anklage lautete auf gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung. So, wie es der Staatsanwalt darstellte, war die Verflossene an jenem Karfreitag nicht allein. Als der Angeklagte sah, dass ein anderer Mann neben seiner ehemaligen Lebensgefährtin auf der Couch saß, soll er dem vermeintlich neuen Freund wutentbrannt erst mit einer etwa dreißig Zentimeter langen Gartenlampe und dann mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

„Also, zwei Sachen sind falsch“, sagte der Beschuldigte, nachdem die Anklageschrift verlesen worden war. „Die Gartenlampe habe ich nur in seine Richtung geworfen, ich habe nicht damit geschlagen. Außerdem habe er von dem anderen auch Schläge bekommen. „Also, ich steh’ zu meiner Sache, außer den zwei Korrekturen“, bekräftigte der Angeklagte abschließend.

Der Geschädigte, der sich bei der Auseinandersetzung eine blutende Risswunde an der Wange zugezogen hatte – sie wurde mit vier Stichen genäht –, beschrieb die Situation anders. Er sei den ganzen Tag bei der Ex des Angeklagten zu Besuch gewesen, gemeinsam habe man ferngeschaut. Als er von der Toilette zurückgekommen sei, habe er etwas scheppern hören. „Dann kommt er auch schon auf mich zu und ich bekomme eine Schlag“, sagte der Zeuge (26). „Ich war für einen Moment benommen. Als ich wieder klar bin, gibt er mir noch zwei, drei Schläge mit.“ Zwar habe er den ersten Schlag nicht gesehen („das ging einfach zu schnell“). Er vermute aber, dass er den mit der kleinen Lampe bekommen habe, anders sei der Schnitt auf der Wange wohl nicht zu erklären.

Für das Urteil war das letztlich unerheblich. „Egal, ob Werfen oder Schlagen. Es bleibt eine gefährliche Körperverletzung, weil der Gegenstand als Waffe eingesetzt wird“, erklärte Richter Helmut Berger. Er verurteilte den Geretsrieder, der sich bisher strafrechtlich nichts hatte zu Schulden kommen lassen, zu sechs Monaten Gefängnis. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage muss der Verurteilte 1500 Euro den Verein Agenda 21/ Arbeit für Jugend zahlen. Rudi Stallein

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